Ich habe mich schon oft gefragt, wo eigentlich der Geschmack der Tomaten geblieben ist… Bei ZEIT online entdeckte ich die Video-Serie Dr. Max erklärt die Welt. Dort werden interessante wissenschaftlicher Erkenntnisse alltagstauglich erklärt.
In seinem letzten Video erläutert Dr. Max, dass Tomaten ihren Geschmack verlieren, weil sie in einer Umgebung aufwachsen, die sie verwöhnt und unterfordert. Sie wurzeln nicht mehr in der Erde, sondern in Steinwolle. Sie werden regelmäßig mit Nährlösungen versorgt. Ihnen geht es einfach zu gut. Sie müssen keinerlei Stress mehr durchleben – und verlieren damit ihren Geschmack und ihre Originalität.
Uns Menschen geht es wie den Tomaten. Erst durch die Reibung mit den Hindernissen und Engpässen des Lebens wachsen Werte und unser individueller Geschmack. Entwicklung ohne Wachstumsstress fördert geschmacklose Beliebigkeit – aber keine Reife. Jemandem die beste Lösung zu präsentieren – statt ihn darin zu unterstützen, dass er sie sich erarbeitet kann – scheint mir ein folgenschwerer Geschmackszerstörer zu sein…
Was für eine Herausforderung an die Pädagogik und die Führung…
Aus eigener Erfahrung kann ich Deinem Vergleich voll und ganz zustimmen. Was mir während meiner Wachstumsprozesse bewußt geworden ist, ist dass es mutige Menschen braucht, denen so viel an mir liegt, daß Sie mir diesen Wachstumsstress zumuten. Die sich nicht für den Preis scheinheiliger Harmonie davor scheuen, mir den Spiegel vorzuhalten.
Was vermeintlich unbequem und manchmal unangenehm ehrlich und direkt ist, ist die aufrichtigste Art von Freundschaft und Zuneigung.
Erst wenn ich den Mut habe, die Menschen die mir anvertraut sind auch mit den Schattenseiten, die ich an ihnen wahrnehme, zu konfrontieren kann ich mit Überzeugung sagen, daß mir diese Menschen am Herzen liegen.
Danke, daß Du und Birgit-Rita mir darin ein großes Leitbild seid!
Wir Menschen sind ein Teil der Natur. Wir können soviel von ihr lernen, wenn wir lernen in ihr zu lesen. Einer der häufigsten Fragen, die ich in meiner Arbeit gestellt bekomme lautet….und wielange dauert das? Menschen sind ungeduldig, wenn es um Veränderungsprozesse geht. Gerade die unangenehmen Dinge sollen schnell vorbei gehen. Das Ziel heißt, möglichst schnell ankommen. In einer Welt, die sich scheinbar immer schneller bewegt, bedingt durch technische Möglichkeiten, fällt es den Menschen immer schwerer, die Zeit der gesunden Reifung zu akzeptieren. Der Druck von außen und die eigenen Vorstellungen sitzen im Nacken.
Mein kleiner Garten hat mich Geduld gelehrt. Jedes Jahr im Frühjahr bepflanze ich meinen Garten. Das Miterleben, wie die gelben, manchmal weißen und auch oft roten Blumen sich entfalten ist eine wahre Freude. Wenn der Kirschbaum blüht, langsam seine Blätter und später seine Frucht entfaltet ist genauso ein schönes Erlebnis. Am meisten Spass macht dann das Ernten. Nach soviel Freude beim Säen, Wachsen und Ernten, macht auch die Vorbereitung auf den Winter Spass. Das Wissen, dass es im nächsten Jahr wieder von vorne losgeht ist herrlich. Ich finde jede Schule sollte einen Garten haben.
Meine kleine Tochter hat vor 3 Jahren immer wenn sie Obst gegessen hat mit einem Stein darin, die Steine irgendwo im Garten eingepflanzt. Wir haben dann bemerkt das eine Pflanze gewachsen ist. Wir wussten nicht welche. Die Pflanze wuchs und wuchs. In diesem Jahr haben wir an dieser Pflanze die jetzt schon ein richtiger Baum ist eine Frucht entdeckt – es ist ein Pfirsich Baum – freu. Meine Tochter hat fest daran geglaubt das etwas wachsen wird – ich nicht. Übersetzt heißt das für mich:” ich darf mich noch üben im Vertrauen und wenn ich etwas Ernten möchte, muss ich vorher etwas säen – in jedem Bereich meines Lebens und vor allem – alles braucht seine Zeit” Bin ich froh das ich Kinder habe.
Der vergleich mit der Tomate – ist genial. Ich glaube, ich werde jetzt immer daran Denken müssen wenn ich Tomaten sehe. Ich glaube auch, so funktioniert lernen.
p.s. Ich Liebe Tomaten und bin jeden Sommer so ungeduldig bis sie endlich gewachsen sind vor lauter Freude.
Zum “verlorenen Geschmack” fiel mir sofort ein kleines Buch ein, dass ich geschenkt bekommen habe und jede Seite mit einem kräftigen “Jawoll, so isses” bestätigen konnte! Bin ich froh, dass ich schon 50 bin und “damals” aufwachsen konnte.
Das Buch heißt: Wie haben wir das nur überlebt – wir Kinder aus den 50ern, 60ern und 70ern
von Michael Paetow
ISBN: 3-89897-258-5
Es lohnt sich, das Buch anzuschauen.
Und ich habe so eine kleine, lustige Postkarte. Darauf ist ein Markstand zu sehen mit einer richtig, runden Marktfrau. Eine Lady bittet um ein Kilo Tomaten und die Markfrau fragt: ” Mit Jeschmack oder ohne?”
Beim Lesen über die geschmacklosen Tomaten, kamen mir Geschmacksverstärker. Geschmacksverstärker in Lebensmitteln übertönen die Geschmacklosigkeit, und im Munde entsteht ein künstliches Geschmackserlebnis. Einzelne Zutaten können sich garnicht entfalten. Der natürliche Geschmack existiert garnicht.
Zum Beispiel Kartoffelchips. Da gibt es welche mit Geschmacksverstärkern und welche ohne. Kartoffelchips ohne Geschmacksverstärker: da schmecke ich die Kartoffel, das Salz und das Öl. Jede einzelne Zutat bekommt ihren Platz, das ist ein natürlicher Genuss.
Als ich gestern auf den Bauernhof meiner Schwieger Eltern ging sagte meine Schwiegermutter:” kaufe keine Tomaten – ich habe ganz viele”
Ja Ja – die Tomaten da war doch was – au Backe – Was habe ich für Reibungen mit meiner Schwiegermutter und jetzt schenkt sie mir Tomaten.
Das Leben ist echt genial. Dank deines Eintrages Christiane sehe ich die Reibungen jetzt noch mal von einer ganz anderen Seite. Ich brauche gar keine Angst mehr zu haben vor den Reibungen mit ihr – wo auch immer es mich hin führen mag.
Es gab Zeiten,in denen ich mich gefragt habe,ob es denn immer (oft) so viel Arbeit im Leben geben muss und ich nur durch Widerstand wachsen kann.Dann merke ich immer wieder,dass die Einblicke und Fruechte,die ich mir selbst erarbeiten musste die sind,die bei mir bleiben und am meisten Wert haben. Dazu fallen mir aus meiner Muttersprache zwei Saetze ein:
‘If you work for it,you own it.’
‘Easy come,easy go.’
@ Will
Zu deinem einem Zitat fällt mir eine Zeile von Goethe ein, die mir mein Großvater immer wieder gesagt hat: Was du ererbst hast von den Vätern – erwirb es, um es zu besitzen. Mein Gtroßvater hatte nicht einmal einen Vater – geschweige denn ein Erbe… Doch durch ihn habe ich ein Gefühl dafür bekommen, dass nur dass, was wir uns bewusst aneignen, zu unserem Eigenen werden kann. Deine Worte haben mch erinnert. Danke.