INSTITUT FÜR INTEGRATIVE FÜHRUNG

Kritik und/ oder Wertschätzung

24. Juli 2009 | Christiane Windhausen
Archiviert in Selbstführung
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Ich sitze in einem Vortrag und plötzlich fliegen Fragen in den Raum, die mich bewegen:

Wann haben Sie das letzte Mal bei einem Anderen etwas Positives bemerkt – es aber nicht ausgesprochen? Wann haben Sie das letzte Mal über Fähigkeiten, Ideen, Verhaltensweisen von Anderen gestaunt – ohne es ihnen zu sagen? Wann haben Sie sich das letzte Mal Ihre Begeisterung für einen Anderen verkniffen -  aus Angst davor, dass er vielleicht übermütig wird, sich für etwas Besseres hält und Sie damit mit Ihrer eigene Scham und Unzulänglichkeit konfrontiert?

Mir scheint es so, als würde das deutsche Auge vor allem Fehler sehen – und sie damit verstärken. Keine Kritik – das ist für viele bereits das Höchstmaß an Wertschätzung und Optimismus. In der Psychologie wissen wir jedoch seit vielen Jahren, dass Wahrnehmung Wachstum erzeugt – ganz gleich, ob sich die Aufmerksamkeit dabei auf positive oder negative Erfahrungen richtet. Alles was wir bewusst wahrnehmen und mit Aufmerksamkeit bemerken, wächst – und bekommt mehr Wirkung.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sehr für mich in meiner Studienzeit Kompetenz mit Fehlersuche verbunden war. Ob jemand in seinem Fach gut war, hat sich an der Universität vor allem drin gezeigt, ob er auch bei den Besten noch Mängel finden konnte. Differenzierung kannte ich vor allem in der Fehlersuche und Kritik, aber in der Wertschätzung und Stärkung neuer Wachstumsimpulse war sie für mich eher ungewohnt.

Ich habe mich entschieden, meine Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was wächst – bei mir und anderen – und dabei jede Chance zur Würdigung und Wertschätzung zu nutzen. Was ich dadurch erlebe ist wirklich erstaunlich:

Irritation – weil positive Resonanz erst einmal ungewöhnlich ist.
Vertrauen – weil wir uns bei Wohlwollen öffnen können.
Öffnung – weil wir durch Gesehen- und Geschätztwerden aufblühen und  es gleichzeitig lieben, durch Wahrhaftigkeit in unserem Besten gefordert zu werden.

Wenn wir unseren Schatten umarmen können, können wir wohl auch vorbehaltlos wertschätzen. Ich liebe diese Mitte aus Liebe.

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