Zukunft gelingt nur miteinander

Ein neues Jahr ist angebrochen, die großen Herausforderungen werden nicht weniger. Prof. Dr. Thomas Druyen vom Institut für Zukunftspsychologie bringt sie in diesem Interview auf den Punkt. Ob es gilt paradoxe Situationen besser auszuhalten, weil die Welt immer unüberschaubarer wird. Oder ob es um die zunehmende Digitalisierung geht, wir kommen um ein konstruktives Miteinander nicht herum. Auf dem Lernplan steht für Druyen daher weiterhin, Denken und Fühlen auf Augenhöhe zu bringen, einen menschlichen Umgang mit Schwächen zu entwicklen und der Offenheit immer wieder eine Chance zu geben.

Werte brauchen Verben

Miteinander ist ein nettes Wort. Es ins Leben zu bringen, braucht Entschiedenheit und will geübt werden. An dieser Stelle wird jeder in die Verantwortung gerufen, sich entsprechend seiner eigenen Werte zu bewegen und dabei die gemeinsame Richtung im Auge zu behalten. Werte sind Herzensangelegenheiten, damit sie in die Hände kommen, brauchen sie Verben. Wenn sie Ihren Werten entsprechend hören, worauf ist Ihr Ohr eingestellt? Welche Fragen kommen Ihnen dann über die Lippen? Wie verhalten Sie sich, wenn Sie etwas nicht können oder wissen? Wie nehmen Sie andere mit, wenn Sie etwas anfangen? Wie bringen Verben Ihre Werte in ein Miteinander?

Lernen ist menschlich

An dieser Stelle beginnt das Lernen. Mit den Worten von Prof. Dr. Thomas Druyen: ‚Die Schule fängt an – für alle‘. Die Entwicklungsherausforderung, vor der wir stehen, heisst: Wir-Qualitäten zu entwickeln und sich gemeinsam daran zu orientieren. Peter Spiegel beschrieb bereits 2014 WeQ als die DNA aller sozialen Innovationen.

WeQ-Orientierung ist nicht nur ökologisch und sozial deutlich nachhaltiger, sondern auch intelligenter, kreativer, leistungsstärker, in einem umfassenden Wortsinne bereichernder und – wenn sich unternehmerisches Denken dafür öff­net – auch ökonomisch erfolgreicher.

Den WeQ können wir uns im Gegensatz zum IQ nur gemeinsam erarbeiten. Wir plädieren hier für eine Kultur des Ausprobierens. Dazu braucht es ein mitmenschliches Feld, in dem Vielfalt erwünscht ist, Wertschätzung selbstverständlich ist, Fehler einfach eine Chance zum Lernen sind, und wir gemeinsam dran bleiben – auch wenn es unbequem wird.

zukunftsfähig = beziehungsfähig

Wir-Qualitäten kann man nicht in einer 2er-Beziehung entwickeln. Zu schnell kommt es zu unbewussten Ausgleichsbewegungen, und die Dinge, die man nicht haben will, landen beim Anderen. Sobald mehr als 2 Personen zusammen kommen, werden Verschiebungen erschwert oder deutlich erkennbar. Jeder muss sich mit seinen Stärken und auch seinen Schwächen eigenständig in der Gemeinschaft bewegen, damit in der Mitte neue Wege entstehen können. Vielfalt entsteht, wenn es fliesst. Damit man sich nicht in persönlichen Befindlichkeiten verstrickt, braucht es etwas, wozu jeder Ja sagt. Etwas das größer ist. Ein Projekt, für das alle brennen.

Jeder ist vermögend

Die vielen erfolgreichen Open-Source Projekte zeigen sehr deutlich, dass eine neue Ära angebrochen ist: Das Wir-Bewusstsein bewegt uns in eine neue Dimension. Dort warten Abkürzungen und ungeahnte Entdeckungen auf uns. Möglichkeiten, die unser Überleben auf diesem Planeten sichern können. Es kann also keine Ausreden mehr geben, sein Vermögen nicht vollständig auszuschöpfen und einzubringen. Einfach gesagt, es beginnt wie immer mit dem ersten Schritt und die Richtung heisst: Verbinden was unverbunden ist. Wenn dann auch noch die eigenen Werte auf dem Kompass eingestellt sind, können wir gemeinsam mit dem Wind segeln, egal aus welcher Richtung er bläst.

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