Freude im Alltag entdecken

Seit 4 Wochen trage ich täglich meine Freude-Brille. 365 Tage sollen es werden. Jeden Tag ein Foto machen, von etwas, was mir Freude macht. Bewusst eintauchen in meine Vorstellungen von Freude, und die Kollision mit der Realität erleben.

Inspiriert hat mich Kaileigh Fryer. Die junge Australierin wurde vor einem Jahr, mit gerade mal 19 Jahren, durch einen Unfall aus dem Leben gerissen. Ihre Familie hat nach ihrem Tod eine Liste mit 49 Wünschen gefunden. Es sollten eigentlich 50 werden. Für den letzten blieb ihr keine Zeit mehr. Vielleicht ist ihre Familie gerade dabei ihren letzten Wunsch wahr werden zu lassen. Sie haben bei Facebook eine Gruppe gegründet und die Liste veröffentlicht. Weltweit haben Zeitungen und das Fernsehn über das Geschehnis berichtet. Die Menschen haben begonnen Kaileighs Wünsche zu ihren zu machen und sie ins Leben zu bringen. Das Wissen, dass man es nicht nur für sich alleine macht, gibt Kraft und kann Begrenzungen schmelzen lassen.

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Von den vielen unterschiedlichen Wünschen hat die Nr. 16 mich gerufen. Write a list of 365 things that make me happy and take a photo every day for a year‚.  Den Wunsch, ein Projekt über genau 365 Tage zu machen, trage ich schon lange in mir. Nicht dass ich nicht über genug Konsequenzkraft verfüge. Damit bin ich reich ausgestattet. Das Festlegen auf eine so lange Zeit ist für mich die Herausforderung. Um die Hürde zu nehmen, brauchte es den passenden Inhalt und den rechten Zeitpunkt.

Eine gute Vorbereitung ist alles

Wenn ich etwas beginne, möchte ich es auch beenden. Ich möchte die Erfahrung ganz erleben. Für mich – und natürlich in diesem Fall auch ein Stück für Kaileigh. Welche Widerstände und Hindernisse könnten mir begegnen? Wie gehen ich damit um? Was brauche ich zur Unterstützung?

Als erstes habe ich den Wunsch genauer unter die Lupe genommen und gesprüft, ob ich ihn so ganz zu meinem machen kann. Ich habe schnell gemerkt, dass ich keine Liste über 365 Dinge schreiben möchte, um dann die passenden Bilder dazu zu machen. Ich brauche es flüssiger. Ich beschloss 365 Tage jeden Tag ein Foto zu machen von etwas, was mir Freude bereitet.

Im nächsten Schritt schaute ich, welche technischen Möglichkeiten es gibt, die mich unterstützen können. Vor ein paar Jahren habe ich mir every-app runtergeladen. Die App ist nie wirklich zum Einsatz gekommen. Löschen wollte ich sie aber auch nicht. Jetzt ist ihre Zeit gekommen.

Seit einem Jahr hatte ich den Wunsch, einen Flieder in meinem Garten zu pflanzen. Da kam mir Wunsch Nr. 31 Plant a tree von Kaileigh Liste gerade recht. Der Baum ist gepflanzt und das erste Foto war im Kasten. Bis er blüht werden 365 Tage vergehen. Er wird mich jeden Tag erinnern.

Erste Erfahrungen

Die erste Woche war leicht. Es war wie Fischen in einem überfüllten See. Die Fische schlugen sich geradezu darum, an meine Angel zu kommen. Es war eher schwierig nur ein Foto pro Tag zu machen. Dieser Überfluss aus der ersten Woche kam mir in der zweiten Woche zu Gute. Was ich vorher einfach so im Alltag erledigt habe, bekommt jetzt eine neue Perspektive. Ich nehme immer öfters wahr, was mir alles Freude macht. Vor allen Dingen die vielen kleinen Momente, die in der Schnelligkeit des Alltags oft untergehen. Die, die ich im Vorbeigehen mal eben schnell erledige.

Immer mal wieder schaue ich täglich durch meine Freude-Brille und wähle. Die Kontinuität hat – nach nur einem Monat – mal wieder begonnen mein Denken zu verändern. Von Tag zu Tag tauche ich mehr ein. Das Projekt beginnt langsam mit zu meinem Alltag zu gehören. Kleine Alltäglichkeiten sind bereits mit Freude aufgeladen.

… Und was ich befürchtet habe, ist auch schon geschehen. Ich war sicher, ich hätte mein Tagesfoto gemacht. Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass dem nicht so wahr. Ich hatte zwar den Impuls, hatte ihn aber nicht umgesetzt. Hallo Achtsamkeit! Ich hatte Glück, ich konnte genau das Foto noch schiessen.

Die erste Phase des Projekts liegt hinter mir. Heute habe ich das erste Mal gedacht, ich habe keine Vorstellung mehr davon, was ich noch alles erleben werde.

Jetzt wird es spannend!

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