Ein Forschungsprojekt geht zu Ende

Im Januar sind wir mit unserem Forschungsprojekt zum ‚Kreativen Wir‘ gestartet. Im November haben wir dieses Projekt nun geschlossen und abgerundet. So wie wir es begonnen haben, haben wir es beendet: individuell, herzvoll und bewusst. Nun schaue ich zurück auf eine ereignisreiche Zeit voller Erfahrungen, Erkenntnissen und Einsichten.

Hier noch einmal die Fakten:

  • TEILNEHMER: Wir waren zu fünft. Jeder von uns hatte sich für die gesamte Projektzeit verpflichtet.
  • ZEIT: Wir haben uns 3 x für 1 Tag und 1 x für 3 Tage getroffen. Dazwischen gab es Video-Konferenzen und Treffen zu zweit.
  • HALTUNG: Jeder von uns hat sich mit einem Verb bewegt und die Patenschaft für die dazugehörige Bewegung im Team übernommen.
  • ZIEL: Wir wollen die Kombinationskraft erforschen – die 4. Kraft aus unserer Kompetenzmatrix.
  • PROJEKT: Jeder hatte sich ein Projekt ausgewählt, dass er mit Hilfe der Anderen realisieren wollte.

Ein wesentlicher Wirkfaktor von SONNOS ist, dass wir in Kombination arbeiten, und uns damit grundlegend von klassischen Kooperationen, Teamarbeit oder Tandem-Führungen unterscheiden. Wenn wir Unterschiede kombinieren statt sie zu addieren, entsteht eine Hochpotenz an Möglichkeiten. So lassen sich Potenziale aktivieren, die weit über individuelle Fähigkeiten hinausgehen. Doch nur wenn der Raum zwischen uns unverstellt ist, kann sich auf der Beziehungsebene schöpferische Kreativität entfalten. In unserer Zusammenarbeit haben Birgit-Rita Reifferscheidt und ich daher immer wieder Zeit und Energie investiert, um zu verbinden, was unverbunden war. Unser Knowhow zur Kombinationskraft wollten wir nun in einem kreativen Wir mit Anderen umsetzen und erforschen.

Collage kreatives Wir

Vieles, was im Projekt miteinander erlebt haben, lag ausserhalb unserer Vorstellung. So haben sich zum Beispiel die 5 Verben (wertschätzen, wertschöpfen, erinnern, bewegen, berühren) als ungeahnte Handlungspotentiale offenbart… und zwei Hunde erwiesen sich als erstaunliche Entwicklungsbeschleuniger.

Wir haben erlebt, was es zum Gelingen einer gemeinsamen Wirksamkeit braucht: Rituale, die den Prozess vertiefen und umfassen. Orte in der Natur, an denen wir uns immer wieder ‚anders‘ begegnen. Humor, um mit den eigenen Schatten zu tanzen. Ziele, die sich nur gemeinsam erreichen lassen. Und die Bereitschaft, lang trainierten Beziehungskillern aufzulösen. Wir haben auch erlebt, was passiert, wenn Geben und Nehmen nicht in Balance sind, wenn der Stolz verhindert, dass wir uns verbinden. Und wie wichtig es für die gemeinsame Kreativität ist, Beziehungen kontinuierlich zu kalibrieren – zu mir selbst und zu den Anderen.

Damit sich Kombinationskraft im Beziehungsraum entfalten kann, muss jeder Einzelne sich im Nehmen, Geben und Wählen üben (die 3 anderen Kräfte der Kompetenzmatrix). Wenn wir uns flüssig mit diesen Kräften bewegen, können wir Anderssein als Vielfalt erleben und Unterschiede als Inspiration. Wohin all diese Erfahrungen nun fliessen, wird sich im nächsten Jahr zeigen.

Der Tod von Nelson Mandela hat mich in den letzten Tagen noch einmal erinnert: Es gibt keine Vision ohne einen langen Atem. Die Realisierung eines kreativen Wirs – in Schulen und Universitäten, in Unternehmen und Teams, in Poltik und Gesellschaft – ist ein wichtiger Aspekt unserer SONNOS-Vision. Mit unsererm Forschungsprojekt haben wir mit an den Grundlagen dieser Zukunft gebaut. Das ist großartig – und ein Anfang.

6 Kommentare

  1. Julia

    15. Dezember 2013

    Ich empfinde es als Segen, dass ihr euch in so ein Projekt gewagt und miteinander gegangen seit. Ich wünsche mir in Zukunft ein Team, indem genau diese Kombinationsarbeit geleistet wird. Anders geht’s zukünftig für mich nicht. Ich bin neugierig auf mehr Erfahrungsberichte aus eurer Kreativen- wir Zeit. :) einfach genial!!!

  2. Christiane Windhausen

    16. Dezember 2013

    Kombination – das klingt so einfach… In diesem Jahr habe ich einmal mehr erlebt, wie viel persönlichen Mut es braucht, um mich ganz zu geben. Wie viel radikale Offenheit, um alles was kommt, vollständig zu nehmen. Und wie viel Leidenschaft, um konsequent zu handeln – auch gegen den eigenen Strom. Die Kombinationskraft aus unserer Matrix erfordert wirklich die hohe Kunst der Selbstführung und Beziehung.

  3. Julia

    18. Dezember 2013

    Was ich so bewunder und mich maßlos wieder erstaunen lässt, ist die Tatsache wie ihr an eure selbst gestellten Aufgaben heran geht. Das ihr dran bleibt, im team voneinander schöpft. Ich erlebe gerade das absolute gegenteil, was mich in meiner arbeit überfordert und echt frustriert. Das ist wahnsinnig neu und interessant zu sehen. Zukünftig sind das sehr wertvolle und interessante Wege die ihr da ebnet. Umso mehr finde ich es schön, dass ihr fünf euch gefunden habt die zeit miteinander zu teilen. Auch wenn da viele dinge zu gehören, die weiß gott nicht leicht zu gehen sind. Meine Worte sollen reine Wertschätzung ausdrücken und ein dank für eure vorranschreitende Arbeit.

  4. Pingback: Zwischen Klostergarten und Domplatte | Die Mitte

  5. Cordula Rosenfeld

    22. Januar 2014

    Es hat eine Weile gedauert, bis ich meine Worte zu diesen 9 Monaten finden konnte.
    Eine wichtige Erfahrung ist für mich, daß viele eingefahrene Gefälligkeits-Muster, die wir im Bemühen um ein störungsfreies Miteinander meist unbewußt aktivieren, sich als fette Schranke vor dem Möglichkeitsraum der Kombination postieren und dadurch verhindern, daß alle Teammitglieder ihre Qualitäten voll einbringen können. Gerade in Führungspositionen hat es daher weitreichende Auswirkungen, wenn die Führungskraft kein Bewußtsein über diese Auswirkungen hat und ihre eigenen Selbstführungskräfte nicht konsequent trainiert.
    Solange das Prinzip „Störungen haben Vorrang“ zugunsten von Funktionsstärke, Harmoniebedarf, persönlichen Unsicherheiten oder Leistungs- und Zeitdruck negiert wird, bleibt der Möglichkeitsraum für Kombination garantiert verschlossen und die Sehnsucht nach Begeisterung bei der Arbeit unerfüllt.
    Mir haben die 9 Monate ganz deutlich gemacht, wie wichtig, es ist, gerade Führungskräfte für diese Zusammenhänge zu sensibilisieren damit Vertrauen zu einer tragenden Säule einer gesunden Unternehmenskultur werden kann.

  6. Stefan Strobel

    8. Februar 2014

    Ja, das Forschungsprojekt ist zu Ende, die Forschung nicht. Vielleicht endet sie sogar nie?

    Im Abstand, im Erinnern und Wertschöpfen und in Dankbarkeit wird mir langsam klar, was alles in dem „kreativen Jahr“ passiert ist. In der Wiederholung von Ereignissen, Ritualen, Erlebtem und Erfühltem bekomme ich Klarheit und kann zentrale Erkenntnisse formulieren.

    Bewusstsein, Genauigkeit und Aufrichtigkeit – das ist die Basis für Beziehungen, die weit über Netzwerk oder Team hinausgehen, wie ich es bisher kennengelernt habe. Dazu kommen für mich noch eine wertschätzende und herzvolle Grundhaltung, Mut und Vertrauen mich selbst mehr und mehr ganz(er) einzubringen, ein gelebtes „Hier und Jetzt“, Neugier und Lust sich auf Neues einzulassen, mich bewegen zu lassen und zu berühren.

    Wenn Verbindungen, Kombinationen und Beziehungen in dieser Form entstehen, potenzieren sich Wirkkräfte und Ergebnis. Und zwar progressiv. Und das nicht nur für das direkt beteiligte Beziehungssystem, sondern auch für das weitere Umfeld. So habe ich es erlebt.

    Meine eigenen Grenzen beschränken oder öffnen dabei das gesamte Beziehungssystem in vielfältiger Weise.

    Ich bin neugierig, was geschieht wenn sich diese Grenzen verändern. Und ich habe Lust, an der Realisierung eines wachsenden öffentlichen „kreativen Wir´s“ mitzuarbeiten – hole schon mal tief Luft…..

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