Gemeinsam ist es leichter

Endlich war es so weit. Jeder von uns hatte gespannt auf unseren nächsten Kreativen-Wir-Tag gewartet. Birgit-Rita war wieder unsere Gastgeberin, und Stefan hat diesmal für uns gekocht. Es war der erste Frühlingstag, an dem wir mittags auf der Terrasse sitzen konnten – und das haben wir auch gleich in vollen Zügen genossen. Wunderbar!

Nach unserem letzten Treffen hatte sich jeder ein eigenes Projekt gewählt. Mit unseren Entscheidungen – und den eigenen Buchstaben – im Gepäck sind wir dann nach Hause gefahren. Nun sassen wir gemeinsam am Tisch und teilten unsere Erfahrungen: Wie hatten wir unsere Buchstaben gestaltet? Wie und wohin hatte uns die eigene Absicht bewegt? Wie haben wir unsere Entscheidungen umgesetzt?

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Wow, es gab fünf Menschen und fünf Geschichten: Fünf Arten der Selbstmotivation, fünf Kulturen des Widerstand, fünf Formen der Dankbarkeit, fünf Weisen des Kontakts… Wer sich da vergleicht, ist verloren. Damit sich ein kreatives Wir entfalten kann, ist es notwendig, dass jeder in seinem Eigenen zuhause ist und sich ganz einbringt. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, sich von den Anderen beeindrucken und beeinflussen zu lassen. Es braucht eben beides – Eigenständigkeit und Beziehungsfähigkeit. Das Potential einer Gemeinschaft lebt von der Individualität jedes Einzelnen. Und das eigene Potential entfaltet sich erst in der Kombination mit Anderen. Den Weg durch die Mitte finden wir wohl nur gemeinsam…

Im Teilen unserer Erfahrungen habe ich dann erlebt:

  • Da, wo ich selber in einer Sackgasse gelandet war, hatte ein Anderer schon eine gute IDEE.
  • Ich spare ZEIT, wenn ich ‚Meins‘ nicht alleine machen, sondern die Anderen mit einbeziehe.
  • Durch gemeinsames Berühren, Bewegen, Erinnern, Wertschätzen und Wertschöpfen lässt sich die eigene ABSICHT auf der Spur halten.
  • Gemeinsam ist WACHSEN leichter – und es macht einfach mehr Spass.

Unser nächster Termin wird im Juli sein – dann treffen wir uns zu einem gemeinsamen Wochenende. Bis dahin warten neue Herausforderungen auf uns. Jetzt geht es darum, die eigenen Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, und die der anderen für das eigene Projekt zu nutzen – ganz praktisch. Ich freu mich schon jetzt auf die Geschichten, die wir danach miteinander teilen werden…

7 Kommentare

  1. Cordula Rosenfeld

    2. Mai 2013

    Es ist unglaublich, welche Erfahrungen möglich werden, wenn ich lerne, mich in einer Kultur von Sowohl-Als-Auch zu bewegen. In diesem Fall, ein Gespür für meine ganz persönliche Eigenständigkeit zu kultivieren und zu stärken und gleichzeitig, mich in den Dienst des Ganzen zu stellen und in Beziehung zu den anderen zu bleiben.

    Im Miteinander im Kreativen Wir zeigen sich plötzlich neben all unseren Handlungs-Potentialen, die wir in unseren Verben visualisiert haben auch Begleiter, die sich bisher immer schön im Schatten versteckt haben. In diesem Zusammenhang bin ich auf meinen Stolz gestossen.
    Ich und Stolz?!?! – nein – das hätte ich wirklich gaaanz weit von mir gewiesen! Ich möchte doch nur den anderen nicht zur Last fallen …
    Was ich erlebt habe – mein Stolz hat sich verdammt gut getarnt. Er hat mir früher sicher gute Dienste erwiesen und ist eine starke Kraft hinter meinen Einzelkämpfer-Fähigkeiten. Diese sind jedoch in einer Gemeinschaft kontraproduktiv und Stolz ist der sichere Boykotteur für ein Kreatives Wir.

    Ich bin dankbar, im Miteinander zu lernen, daß es bei aller Eigenständigkeit auch darum geht, aktiv die Anderen mit einzubeziehen. Hört sich leichter an als es ist ?

    Dank unserer Gemeinschaft im flüssigen und offenen Miteinander können wir unseren Boykotteuren auf die Schliche kommen. Ich bin fasziniert, was dadurch möglich wird.

  2. Birgit-Rita Reifferscheidt

    5. Mai 2013

    Mich beschäftigt auch die Wirkkraft unserer Verben oder wie Cordula es nennt, unserer Handlungs-Potentiale. Der Begriff gefällt mir. Mich bewegt die Frage,wann entfalten die Handlungs-Potentiale ihre grösste Wirkkraft. Für mich hieß es bisher, wenn ich andere wirksam erinneren möchte, beginnt das Erinnern bei mir. Das ist mittlerweile für mich selbstverständlich. Seit wir mit unserem kreativen Wir gestartet sind, ist eine neue Perspektive dazu gekommen. Meine Ausrichtung ist die Mitte. Wenn ich andere zu viel erinnere, vergesse ich mich. Das ist mir in den ersten Monaten, die wir gemeinsam unterwegs sind, passiert. Nach dem ich die notwendige Grenze gezogen hatte und für mich gesorgt habe, konnte ich mich wieder spüren. Jetzt fliesst es wieder in meiner Mitte. Das ist gut für meine Kreativität und gut für das kreative Miteinander.

  3. Christiane Windhausen

    6. Mai 2013

    Ich habe erlebt, wie mühelos mir das Wertschöpfen der Anderen fällt, und wie schwer es mir gelingt, mich selber zu wertschöpfen. Ich habe bei Anderen einen Sinn, ein Ohr, ein Auge, eine Hand für den verborgenen Wert ihrer Erfahrungen. Für den Schatz, der sich hinter Glaubessätzen versteckt, der niemals auf den ersten Blick erkennbar ist und sich erst offenbart, wenn wir uns aus einer (im wahrsten Sinne) unverstellten Perspektive betrachten.
    Was mir in Bezug auf andere so leicht fällt, ist in Bezug auf mich selber mit großen Hindernissen verbunden. Dort, wo ich bei ihnen mit Begeisterung Chancen und Möglichkeiten erkenne, regiere ich bei mir selbst oft mit einer inneren Richterin. Dort wo ich sie in ihren Potentialen fördere, hadere ich selber mit meinen Unzulänglichkeiten. Was ich bei ihnen so wohlwollend und in Liebe beleuchte, stelle ich bei mir immer noch gerne in den Schatten.
    Mich hat schockiert, welchen Unterschied ich zwischen den Anderen und mir selber mache. Die Spaltung in meinem eigenen Bewusstsein geht mitten durch mein Herz. ‚Liebe dich selbst, wie deinen Nächsten‘ ist für mich gerade eine treffsicheren Empfehlung…

  4. Elke-Maria Rosenbusch

    7. Mai 2013

    Gemeinsam ist es tatsächlich leichter! Gerade weil ein Kreatives Wir vor den eigenen Defiziten nicht Halt macht. Langsam wächst das Verstehen, was Kreatives Wir bedeuten kann: Sich ganz geben dürfen und (trotzdem) ganz genommen werden. Das bedeutet konkret, mit ALLEM willkommen zu sein. So lässt sich jeder im Kreativen Wir durch jeden mit dem, was gerade ist, an etwas erinnern, sich berühren, sich bewegen und wertschöpft etwas für sich … was dann wieder in das Kreative Wir einfließt. So entsteht ein Kreislauf aus flüssigem Geben und Nehmen. Genau das, was im Netzwerk stattfinden soll – und es häufig doch nicht tut.
    Das kreative Wir ist eine Herausforderung sondergleichen. Doch nun habe ich ein Erleben davon, was es bewirken kann. Und meine Zuversicht wächst, dass weniger gelungene Netzwerk-Erfahrungen darin geheilt werden können.
    Der Weg zueinander ist viel kürzer und einfacher als ich denke, was nicht heißt, dass es leicht ist. Doch Offenheit und Wahrhaftigkeit verbinden kraftvoll.

  5. Stefan Strobel

    23. Mai 2013

    Mehrfach in den letzten Wochen habe ich den Blog-Artikel geöffnet und gelesen, was im Austausch entsteht. Bei einigen Punkten kam der Gedanke: „Ja, das kenne ich“ und doch habe ich keine eigenen Worte gefunden. Und das, obwohl mir gerade dieser Austausch ein Anliegen ist. Wachsender Frust und Enttäuschung über mich selbst waren die Folge. Erst als ich akzeptiert habe, dass es gerade so ist, losgelassen habe von Bewertungen, Vergleichen und Funktionieren, entstand der Raum für meine Worte.
    Ich bin dankbar, dass mir die Zeit gegeben wurde. Keiner hat mich gedrängt und alle waren gleichzeitig da, wenn es um Austausch von anderen Kompetenzen ging. Ich konnte fragen, annehmen und geben. Für mich ein tolles Geschenk. Danke.

    Ich berühre und werde berührt. Mein Wort begleitet mich täglich, wie ein Geigerzähler bei der Prüfung auf Authentizität und Nähe – Eigener, Anderer und in beide Verbindungsrichtungen. Meine Frage lautet: „Berührt mich (m)ein Thema, (m)eine Absicht, die Verbindung zu Menschen auch tiefer?“ Wenn das so ist, dann kann eine wertige und entwickelnde Verbindung entstehen. Ich übe, freue mich über positive Veränderungen und bin dankbar für den wertschätzenden, bewegenden, erinnernden und wertschöpfenden Raum im Netzwerk. Alle Handlungspotentiale (danke Cordula für dieses tolle Wort) helfen mir.

    Mit jedem Einzelnen ICH des kreativen WIR entstand so in den letzten Wochen und Monaten eine Entwicklungsbeziehung. Zu jedem ist diese Verbindung individuell und wechselnd in Thema, Form, Ablauf, Inhalt, Lernpotential und Intensität. Mit jedem darf ich etwas lernen oder lehren, mit jedem etwas teilen, etwas entwickeln und auf diese Weise kreatives Wir ausprobieren. So verändert sich mein eigenes ICH und damit auch das WIR. Fünf Ich’s bilden ein Wir und alle sechs entwickeln sich beständig.

    Mein Projekt ist meine persönliche Web-Präsenz. Ende April wollte ich damit live gehen. Natürlich war ich rechtzeitig mit allem fertig. Dachte ich. Im Wir-Austausch war dann bald klar: „Da fehlt es noch an persönlicher Tiefe, Genauigkeit und Ausrichtung“. Bilder, Texte und Grafik wollen nochmals überdacht werden, damit die Wirkung die ist, die ich mir wünsche.
    Plötzlich steht mein wichtigstes Projekt „on Hold“. Für mich als umsetzungs- und terminstarken Business-Mann ist das eine gewaltige Vertrauensprüfung. Eine wichtige Voraussetzung, mich darauf einzulassen ist, dass ich die individuellen Kompetenzen der Anderen sehe, anerkenne und noch mehr, diese Kompetenzen nutzen darf, um mich zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Zusammen mit den bisher erworbenen positiven Vertrauenserfahrungen in der Gruppe, kann ich den STOP akzeptieren. Noch schöner: statt als Niederlage sehe ich die Chance auf Mehr.

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