Die leise Revolution der Generation Y

In den 90er Jahren hatte ich sowohl beruflich, als auch privat viel mit der heutigen Generation Y (nach 1980 geboren) zu tun. Mein damaliger Lebensgefährte hatte einen Sohn, mit dem ich zwischen seinem 10. und 17 Lebensjahr viel Zeit verbracht habe. Er hat mich inspiriert eine einwöchige Abenteuerreise für Pubertierende zu entwickeln und viele Male zu veranstalten. Die Kinder wurden spielerisch mit vielen Überraschungen auf den Übergang in die Erwachsenwelt vorbereitet. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mir damals oft in meinen Gedanken ausgemalt habe, wie diese Generation unser Gesellschaft einmal verändern wird.

In der Wochenzeitung DIE ZEIT war vor wenigen Wochen auf der Titelseite zu lesen:

Jugend: Faul und schlau! Sie ist anspruchsvoll. Sie will sich nicht für den Arbeitsmarkt versklaven. Die Generation Y drängt in die Unternehmen und will sie verändern. Sie sucht Sinn, Spaß und fordert Zeit für die Familie und Freunde. Man kann sie sogar für faul halten – aber wenn das Umfeld stimmt, leisten sie Unglaubliches.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat herausgefunden, dass diese jungen Erwachsenen selbstbestimmt und flexibel arbeiten möchten. Kollegialität und persönliche Entwicklung rangieren bei ihnen ganz oben. Status und Prestige bilden das Schlusslicht in den 19 Kategorien, die abgefragt wurden. Autoritäten zweifeln sie an, es sei denn jemand beeindruckt und überzeugt sie.

Ich habe in den 90ern oft miterlebt, wie Kinder von ihren Eltern gefördert wurden und  in der Familie immer wieder mit entscheiden dürften. Diese Aufmerksamkeit und Mitsprache fordern sie heute von ihrem Arbeitgeber. Sie sind von Kindesbeinen an gewohnt nachzufragen und Antwort zu bekommen. Für sie ist mitgestalten und ihre Kreativität leben ganz natürlich. In den letzten Jahren habe ich eine zeitlang ihren Prostest vermisst, bis ich verstanden habe, dass sie die erste Generation sind, die ihre Kraft aus dem Dafür holen. Der demographische Wandel unterstützt sie bei ihrer leisen Revolution.

Sie wissen, das Erleben mehr Zufriedenheit erzeugt als Haben. Sie möchten arbeiten. Sie sind auch bereit viel zu arbeiten, wenn sie aus der Quelle der Zufriedenheit schöpfen können. Deshalb rufen sie nach mehr Flexibilität, nach Zeit für Familie und Freunde, nach Spaß und Nachhaltigkeit, bei dem was sie tun.

Was für eine Chance für unsere Gesellschaft. Natürlich braucht das Brückenbauen Zeit. Aber vor allen Dingen braucht es die Bereitschaft aufeinander zu zu gehen. Es braucht die Einsicht, dass unsere Generation X nicht die Lösung für die momentanen Probleme hat. Gefangen in einem Glaubenssystem das auf entweder oder aufgebaut ist, ist es natürlich schwierig einer Generation zu vertrauen, deren Denken ein Sowohl als auch umfasst. Da stossen Welten aufeinander, die sich erst mal nicht hören und verstehen können.

Zum Glück gibt es Unternehmen die vorgehen und sich nicht von der Selbstbestimmheit schockieren lassen. Sie waagen gemeinsam mit den jungen Erwachsenen neue Schritte, nicht zuletzt weil sie aufgrund des enormen Personalmangels auf sie angewiesen sind. Vertreter der Generation Y haben die Chance ihren Worten Taten folgen zu lassen. Sie können zeigen, dass ungeahnte Kräfte freigesetzt werden, wenn sie den Wechsel zwischen Spannung und Entspannung leben dürfen. Wenn ihre Bedürfnisse wichtig sind und sie sich entfalten können. Desto mehr gelebte Beispiele es gibt, desto mehr kann diese Brücke an Festigkeit gewinnen.

Mich beglückt die Generation Y – damals wie heute. In den letzten Trainings hatten wir immer wieder Teilnehmer aus dieser Generation. Sie bereichern mit ihrem frischen, offenen Geist und mit ihrer Bereitschaft sich ganz zu geben, wenn sie sich gesehen und gehört fühlen.

Ich baue gerne mit an der Generationenbrücke.

 

7 Kommentare

  1. Stefan Strobel

    23. April 2013

    Anfang der 60er geboren kenne ich sehr gut das „Entweder Oder“. So bin ich aufgewachsen und so habe ich einen Großteil meiner Arbeit angegangen. Durchaus erfolgreich, aber sehr oft hat mir etwas gefehlt. Nachdem ich nun seit einigen Jahren im Wechsel und damit auch im „Sowohl als Auch“ unterwegs bin, kann ich tatsächlich erleben, wie Beschränkungen abfallen und mein Sichtfeld größer wird.
    Und oft waren es die Gespräche mit den 20 Jahre jüngeren, die mich zuerst total erstaunt (wie, so geht das auch?) und später begeistert (Stimmt, das geht tatsächlich!) berührt und verändert haben. Dafür bin ich dieser Generation sehr dankbar. Ich habe Sie schätzen gelernt im Erleben, was in der Verbindung für alle möglich ist.

  2. Cordula Rosenfeld

    2. Mai 2013

    In all dem, worauf die Generation Y großen Wert legt, verbirgt sich aus meiner Sicht auch die Lösung für die Menschen, denen im „höher, schneller, weiter“ des Erfolgs-Hamsterrads zunehmend die Puste ausgeht.

    – selbstbestimmt und flexibel arbeiten
    – persönliche Entwicklung für ein kollegiales Zusammenarbeiten
    – Verkörperung statt Autorität über Hierarchie
    – mitgestalten und die eigene Kreativität leben
    – Zufriedenheit im Erleben tanken statt im Konsum

    Hört sich leichter an, als es tatsächlich ist. Zumindest für die Generation der in den 60er Jahren geborenen, die von einem starken Leistungsprinzip angetrieben werden. Ich selbst gehöre dieser Generation an und habe das Business-Hamsterrad sehr lange rotieren lassen. Letztendlich hatte ich die große Chance, es zu verlassen und habe erlebt, daß es auch einer gehörigen Portion Mut und Entschlußkraft bedarf, um hier den Kurs zu ändern.

    Ich kann nur hoffen, daß die Anforderungen der Generation Y mehr und mehr Einzug halten in den Arbeitsalltag und daß wir, die Generation der 40+ uns mit dieser Generation kombinieren können. Durch ihr Vorgehen können wir lernen, welche wohltuenden neuen Möglichkeiten ein „sowohl-als-auch“ im Business eröffnet.

  3. Birgit-Rita Reifferscheidt

    4. Mai 2013

    Ich freue mich, dass ihr mit mir ins Gespräch eingestiegen seit. Wie immer hat auch diese junge Generation, genau das im Gepäck, was die Gesellschaft gerade braucht. Seit ich den Artikel geschrieben habe, finden mich beinah täglich Artikel und Interviews zu diesem Thema.
    Anita Blasberg (Jahrgang 1977) schreibt in ihrer Polemik „Die schon wieder“ gegen die Übermacht der 48-67 jährigen an. Die Generation, die Zeit ihres Lebens immer in der Mehrheit waren und sind.
    http://www.zeit.de/2013/17/demografie-babyboomer
    Jens Jenssen (Jahrg.1955) antwortet eben falls in zeit online mit dem Artikel „Warum denn so verzagt? http://www.zeit.de/2013/18/demografie-babyboomer-replik

    Natürlich könnte man bei den Zahlen glauben, die Alten überrollen alles. Es gibt kein Entkommen für die jüngere Generation. Keiner der beiden Artikel erwähnt, dass der Einzelne heute viel mehr Möglichkeiten hat, etwas zu verändern. Viele junge Menschen kennen sich mit den Möglichkeiten der erweiterten Wirklichkeit Internet aus. Sie sind damit großgeworden. Für sie gibt es nicht die Trennung von realer Welt und der Welt im Netz. Sie nutzen die Kommunikationsmöglichkeiten um in der Welt etwas zu bewirken.

    Z. B. Philipp Riecherle, 18 Jahre, macht gerade sein Abitur und ist Unternehmensberater. http://www.philippriederle.de Er nutzt die Möglichkeiten, die im das Smartphonezeitalter schenkt beispielhaft . Mit seiner website: Mein Iphone und Ich, 1.000.000 Besucher im Jahr, hat er sich einen Namen gemacht. Er hält Vorträge in vielen großen Unternehmen und übersetzt seine Generation. Er baut kräftig an der Generationsbrücke.

  4. Pingback: Zugehörigkeit als Community-Kompetenz | SONNOS

  5. Christiane Windhausen

    24. Mai 2013

    Vom demographischen Wandel zur Generationsbrücke ist es wohl ein weiter Weg… Die Ansgt vor der Überalterung der Gesellschaft mündet leider nicht direkt in die Würdigung der Generation Y… Alle Generationen in einem Boot – Das ist das Thema der MS Wissenschaft 2013. Zurzeit ist sie unterwegs auf den Rhein. Im Juni ist sie dann in Düsseldorf – und ich gehe am 18.6. an Bord: http://www.youtube.com/watch?v=w7Z8tadRu28&feature=youtu.be. Sehen wir uns?

  6. Birgit-Rita Reifferscheidt

    24. Mai 2013

    @ Christiane Windhausen
    Auf nach Bonn. Danke für den Tip.

  7. Pingback: Wolf Lotter über eine menschliche Form des Kapitalismus | SONNOS

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