Konkrethik – ein Wort das wir brauchen

Anfang September las ich in einer Pressemitteilung, dass am 11.9.2012 das neue Buch von Prof. Dr. Thomas Druyen erscheinen wird. Das Datum und der Titel bzw. Untertitel machten mich hellhörig. Krieg der Scheinheiligkeit – Ein Plädoyer für den gesunden Menschenverstand. Ich schätze den Autor, seine Sichtweisen und vor allen Dingen seine Sprache. Hat er sich bis dato für ein neues Bild des Alters und dem materiellen und immateriellen Vermögen eingegesetzt, wendet er sich nun der gesellschaftlichen Scheinheiligkeit und dem Streben nach Wahrhaftigkeit zu.

Der Soziologe Druyen, der aus der wissenschaftlichen Tradition kommt, verzichtet in diesem Buch auf seine wissenschaftliche Schreibpraxis und Routine. Er ist wütend – und genau mit dieser Kraft nimmt er den Leser mit durch das Dickicht der Scheinheiligkeit. In den ersten vier Kapitel schreibt er über Scheinheiligkeit, Krieg, gesunden Menschenverstand und Konkrethik. Das sind auch die Kapitel, durch die ich mich durchkämpfen musste. Sein Vorwort hat mich jedoch ermutigt das zu tun. Er hat es geschafft, mich, die sich normalerweise lieber im Praktischen und Fühlbaren aufhält, mitzunehmen durch seine kritischen und rationalen Betrachtungen. Das 4. Kapitel hat mich magisch angezogen. Da roch es, nein, da duftete es irgendwie ein Stück nach Ausgang aus dem Dilemma dieser Welt. Der Soziologe hat ein neues Wort geschöpft – Konkrethik. Eine Ethik, die auch ein Ergebnis hat. Seine Antwort auf das Dilemma. Es geht um die praktische Aufrichtigkeit, etwas mit bestem Gewissen verantwortungsbewusst umzusetzen und zu Ende zu bringen. Weiterhin ist mit Konkrethik gemeint, die Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns zu übernehmen. Nicht mehr Versprechen und Ankündigungen sind gefragt, sondern definitive Ergebnisse zählen.

Endlich gibt es dieses Wort. Mit der Sprache fängt bekanntlich alles an. Thomas Druyen belässt es aber nicht bei der Wortschöpfung, er sorgt für die Verbreitung und hat sich auf die Fahne geschrieben, es vorzuleben. Dieser unglaublich geistreiche Kopf, ausgestattet mit einer großen sinnlichen Kraft, hat sein Wissen, das er in den letzten 10 Jahren zu diesem Thema gesammelt hat, mit auf seine Schreibreise genommen. Ich konnte förmlich spüren, wie er im Schreiben seine Puzzleteilchen zusammenbringt und dabei nicht den Anspruch hat, ein fertiges Bild abzuliefern. Er ist für sich selbst auf dem Weg und gleichzeitig stellt er seine persönliche und berufliche Erfahrung in den Dienst. So hat er es geschafft, dass ich am Ball geblieben bin. Ich bin seiner Ermutigung nachgekommen und habe mein eigenes Puzzle ein Stück mehr verstanden.

Wie der Autor sind Christiane Windhausen und ich auch seit mehr als 10 Jahren unterwegs und erforschen, wie Wirksamkeit  in der Führung konkret möglich ist und wie Wirkungslosigkeit entsteht. Wie der Autor haben wir vor der eigenen Tür begonnen. Aus diesem Grund gab es auch während des Lesens seines Buches auch immer eine Parallelspur zu unserem Buch in mir: Das flüssige Ich – Führung beginnt Selbstführung. Es war pure Stärkung und Inspiration.

Ab Kapitel 5 schreibt der Autor nicht mehr über, sondern vielmehr aus und durch wunderbare Bilder. Er nennt es träumen und ich konnte endlich anfangen fühlend zu lesen. Das Kapitel über das Gehirn gefällt mir besonders gut. Der Autor benutzt die Methaper des Gartens. Mit Hilfe dieses Bildes versucht er zu veranschaulichen, welche Freiheit und Möglichkeit für den Einzelnen in der kontinuierlichen „Gartenpflege“ liegt. In diesem Kapitel konnte ich ganz besonders den Poeten Druyen erleben.

….und nach dem Nachwort kommt der Nachtrag. Thomas Druyen gewehrt Einblick in einen persönlichen Traum, der ihm die Wende in seinem Leben schenkte. Alleine darüber hätte er ein ganzes Buch schreiben können, welches ich ehrlich gesagt gerne lesen würde.

Für mich ist das Buch ein Plädoyer für die Selbstführung – und wirklich lesenswert.

Wer Lust hat reinzuhören oder mehr über das Buch erfahren möchte, kann hier schauen.

 

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