Identität: Jeder ist ein Sternenhimmel

Hermann Hesse hat einmal gesagt: ‚In Wirklichkeit ist kein Ich eine Einheit, sondern eine höchst vielfältige Welt, ein kleiner Sternenhimmel‘.

Mir gefällt dieses Bild. Wir beide schreiben seit Jahren in unseren eigenen Blogs und im SONNOS-Blog. Wir twittern, jede hat ihre persönliche Facebookseite und nun gibt es bei Facebook auch eine SONNOS-Seite.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir uns – mitten in der eigenen Vielfalt – orientieren konnten. Da wir beide in unserem Leben viele unterschiedliche Seiten differenziert entwickelt konnten, waren wir immer wieder fasziniert von den digitalen Möglichkeiten, uns durch verschiedenen Facetten unserer Identität mit anderen zu verbinden und unsere gemeinsame Arbeit  im Netz sichtbar zu machen.

Früher war die Frage ‚Wer bin ich?‘ vor allem eine therapeutische Frage. Im Alltag ergab sich unsere Identität mehr oder weniger von selbst – durch unsere Herkunft, unseren Beruf und die Erwartungen von Anderen. Heute braucht es für die Selbstführung durch die unterschiedlichen Aspekte unserer Identität im Grunde einen ganz eigenen Kompass.

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(Wandtattoo im SeminarZentrum Gut Keuchhof)

Hierzu gibt es einen sehr lesenswerten Artikel von Wolf Lotter in Brandeins 6/2009: Es sind unsere Ziele und Absichten, die uns im Rausch der Möglichkeiten unseren Weg finden lassen.

Das Netz hat unsere bisherige Identität multipliziert und verflüssigt. Diese Verflüssigung unseres Ichs können wir nicht mehr rückgängig machen. Mit ihr wächst die Orientierungslosigkeit – aber mit ihr wachsen auch neue Möglichkeiten. Wer mehr dazu hören und sehen möchte, kann das in einer der letzten Ausgaben des Elektrischen Reporters von Marius Sixtus tun.

Wenn sich das eigenen Identitätsformat verflüssigt, dann sind es vor allem die Menschen, mit denen wir verbunden sind, die deutlich machen, wer wir sind. Die Qualität unserer Beziehungen wird also in Zukunft zeigen, woher wir kommen, was uns am Herzen liegt ist und wer wir sind. Das ist einer der Gründe, warum wir im SONNOS-Institut so einen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit legen.

Ich finde, das ist eine inspirierende Herausforderung – oder?

2 Kommentare

  1. Inga Dragic Oltersdorf

    11. Juli 2010

    Ich habe durch das Sonnostraining sehr intensiv erlebt und gelernt, welchen Wert Selbstführung hat. Ich kann es nur unterstreichen und es ins endlose bestärken, dass der Schwerpunkt dieser Arbeit in der Beziehungsfähigkeit liegt, so essentiell und wunderschoen ist. Andere Worte habe ich dafür nicht. Denn aus eigener Erfahrung weiss ich, dass jede Orientierungslosigkeit in einem vertrauensvollem und wohlwollendem Miteinander endet. Und Ziele sind darin für mich immer die Begleitung, um mir selbst die Frage zu stellen: bin ich selbst dabei? Oder laufe ich „nebenher“ während ich dem Ziel folge?

    Identität hat dabei finde ich seinen Platz immer da, wo ich mich in Gemeinschaft, oder in einem Netzwerk (eben in Beziehung), aufgehoben, gesehen, gehört und angenommen fühle. Da braucht es schon irgendwie eine „flüssige“ Identität, weil mein Leben ja ständig in Bewegung ist, damit ebe auch das, was meine Identität ausmacht.

  2. Christiane Windhausen

    13. August 2010

    Gestern war Sternschnuppennacht in Deutschland – und damit einen gute Chance, das Wünschen zu üben. Wie genau kennen Sie Ihre Herzenswünsche? Wie gut können Sie das Leben um etwas bitten? Ich wundere mich immer wieder, wie weit der Weg zu den wirklich wichtigen Wünschen meines Lebens ist…

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