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Zum Tod von Robert Enke

Viele – nein sehr viele Menschen – trauern um Robert Enke. In Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus. Ein Weltklasse-Torwart, menschlich sehr beliebt, hat sein Leben beendet. Er hinterlässt eine große Leere und Fassungslosigkeit, weil die meisten Menschen – selbst in seinem nahen Umfeld – nicht gespürt haben, wie verzweifelt er im Grunde war.

Das Einzige, was uns bleibt ist, gemeinsam zu Weinen. Ja, auch ich weine. Die Tränen laufen mir unaufhörlich, während ich diese Zeilen schreibe.

Sein Tod macht einmal mehr deutlich, wie schwierig es in Deutschland ist, zu seinen Schwächen zu stehen – vor allen Dingen für die, die in der Öffentlichkeit stehen. Aber gerade sie haben eine Vorbildfunktion.

Stärken und Schwächen gehören zum Menschsein dazu. Die eigenen Schwächen zu verstecken, vor sich selbst und vor seinen Mitmenschen, ist für mich so, als würde ich nur auf einem Bein stehen. Es ist eine wacklige Angelegenheit und wenn der Wind mal von vorne blässt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich umfalle.

Ich möchte an dieser Stelle nicht  spekulieren, was für Robert Enke hätte anders laufen können. Dazu ist jetzt nicht der rechte Zeitpunkt. Nur so viel: Wenn man mitten drin steckt, ist es sicherlich nicht besonders hilfreich, wenn ganz Deutschland davon weiß. Für unsere Schwächen braucht es einen Schutzraum. Den hatte er bei seiner Frau und bei einigen engen Freunden, doch anscheinend nicht in seinem beruflichen Umfeld.

Mein Anliegen ist es, daran zu erinnern, wie wichtig es ist, Mitgefühl mit sich selbst zu haben, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht – und vielleicht sogar mehr, als Freunde, Partner, Kollegen geben können. Was nützt der große Erfolg, wenn er uns krank macht?

Vielleicht wird es Zeit, dass die Medien mehr die Menschen würdigen, die sich in ihren Schwächen zeigen.

Ich bin selbst durch ein tiefes Tal gegangen, und habe erlebt wie sehr es mich gestärkt hat, wenn ich in meinem Mut zur Schwäche gewürdigt wurde. Wann haben sie das letzte Mal einen Menschen gewertschätzt, der sich schwach gezeigt hat?

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8 Kommentare

  1. Inga Oltersdorf

    14. November 2009

    Ich kann dem nur zustimmen! Es wird Zeit, dass Menschen und Prominente in der Öffentlichkeit in ihrer Schwäche gewürdigt werden!! Aber stattdessen werden sie meist in der Luft zerissen. In der Bild oder in Boulevardzeitschriften wird sofort aus allem eine Sensation gemacht. Da ist es glaube ich eine große Herausforderung sich als Prominenter zu schützen. Denn in einer solchen Offenheit zu leben, einem Ruf “gerecht” zu werden, nicht auf die schiefe Bahn zu geraten, erzeugt meiner Meinung einen solchen Druck. Wo bleibt da noch ein Raum, in dem ich einfach sein darf wie ich bin? Mit allem!!

    Dazu fällt mir auch der Tod von Michael Jackson ein. Ich könnte kotzen, wie mit allen Mitteln versucht wird aus seinem Tod so viel wie möglich Profit herauszuschlagen. Besonders sein Vater, der den Tod seines Sohnes abscheulich und abstoßend ausnutzt!! Wo ist da überhaupt eine Würdigung gegenüber einem Menschen, der neben seiner Berühmtheit einfach nur Mensch ist? Ich frage mich manchmal, wie Geld eine solche Macht bekommen haben kann, dass alles an Gefühlen darunter erstickt wird oder irgendwann wurde….

    Es ist höchste, allerhöchste Zeit, in den Medien, in der Öffentlichkeit das zu würdigen, was mich zu einem Menschen macht. Zu einem Menschen, der genauso schwach ist, wie er Fehler macht und nicht perfekt ist!!

  2. Birgit-Rita Reifferscheidt

    14. November 2009

    @Inga
    Bei allem Ärger, den ich gerade in deinen Zeilen spüren kann, merke ich, dass für mich gerade keine Zeit des Ärgerns ist, sondern eine Zeit der tiefen Betroffenheit und Hoffnung, dass der Tod von Robert Enke einen tieferen Sinn bekommt.
    Das wünsche ich vor allen Dingen seiner Frau, die in der Todesanzeige sich mit folgenden Worten von ihrem Mann verabschiedet hat:
    Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

    das wünsche ich allen Lokführern, das wünsche ich unserer Gesellschaft.

  3. Christiane Windhausen

    15. November 2009

    Der Tod von Robert Enke hat für mich bereits angefangen einen Sinn zu bekommen… Es wurde noch nie so viel über Leistungsdruck und Versagensängste im Sport gesprochen.
    Es gibt immer mehr SportlerInnen, die über ihre Ängste sprechen (Britta Steffen), über Depressionen (Stefan Deisler) über Sport + Sucht (Andre Agassi).
    In den letzten Tagen haben relativ viele Sportler, Trainer und Sportmanager über die Schattenseite der Hochleistung gesprochen. Mich stimmt es zuversichtlich, dass zumindestens ein Tabu gebrochen zu sein scheint.

    Bisher wurde im Sport Persönlichkeitsentwicklung vor allem dafür eingesetzt, hochbegabte Talente noch leistungsfähiger zu machen. Es wird nun dringend notwendig, die Erkenntnisse der Psychologie zur Integration unserer Schattenseiten zu nutzen. Ohne Strukturänderungen und ein Primat des Mitgefühls in den Sportverbänden wird das wohl nicht gehen.

  4. Bärbel

    15. November 2009

    Betroffenheit …
    meine Kinder fahren seit vielen Jahren mit der Bahn von einer Familie zur anderen – quer durch Deutschland. Schon (viel zu) oft haben sie auf den Strecken oder Bahnhöfen wegen “Personenschaden” stundenlang ausharren müssen, die Vollbremsung, das lange Warten der Ungewissheit aushalten müssen. Ihre Gefühle von Angst und Fassungslosigkeit, dass Leben und Tot so spürbar nah bei einander liegen, werden stets von neuem ausgelöst und jedesmal ist es wieder eine Herausforderung für uns Eltern darauf zu reagieren. Ihr “Mitleiden” für die Angehörigen, ihre “Vorstellungen” wie es wohl in diesen not-leidenden Menschen ausgesehen haben mag, schärft gleichzeitig ihre Sinne, lässt Empathie weiter wachsen und sie mit großer Achtsamkeit und Respekt auf die Gefühle anderer Menschen reagieren.
    Ich denke auch, dass in jedem Freitod, in jedem durchlebten und gefühlten Leid auch viel Sinn steckt.

  5. Monika

    15. November 2009

    auch mich hat die Geschichte von Robert Enke sehr mitgenommen…viele Tränen kamen…konnte nachempfinden,was es heißt sich nicht zu seinen schwächen bekennen zukönnen,was es für Konsequenzen haben könnte , zu äußern “ich bin krank”….da ist sehr viel Druck dahinter und was für eine Energie dies kostet,diese Ängste über Jahre immer wieder wegzuschieben…..
    was mich sehr traurig macht,dass ein Mensch sich frühzeitig auf die Reise macht….weil er keine andere Lösung findet….vieles ist in mir in Bewegung gekommen.

    meine tiefe Verneigung an seine Frau Teresa und für ihren Mut,dies der Öffentlichkeit mitzuteilen…sich mit den Worten zu verabschieden :
    Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

    Ich wünsche mir ,dass das Mitgefühl sich ausbreitet,ein Tabuthema sich zeigen darf und Zeit dafür ist aufzuwachen……auch schwach zu sein und um hilfe zu bitten ,seine Berechtigung hat.

  6. Stella

    16. November 2009

    Ich bin nicht sonderlich sportinteressiert, Robert Enke war mir kein Begriff; trotzdem war ich betroffen ob der Tatsache, dass die Gesellschaft diesem Mann keinen Raum gelassen hat für seine grosse Not, Verzweiflung – er hat ihn nicht gespürt, zu gross war der Druck.
    Die Gesellschaft setzt sich zusammen aus jedem Einzelnen von uns – wir sind verantwortlich für ihre Form und ihre Energie. Lasse ich in meinem Umfeld genug Raum für Schwäche? Welche Energie gebe ich weiter?
    Wenn ein Mensch geht,geht er nie ganz – er hinterlässt uns Fragen und Aufgaben, es ist unsere Chance sie zu nehmen…
    Danke Robert Enke
    Danke Miray!

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