Mein Sylvester mit Shuffle und Hans-Peter
Mein Auszeit “zwischen den Jahren“, wie es Ralf Teichgräber so treffend beschreibt, ist vorbei. Nun sitze ich hier, völlig entspannt und bin voll mit Eindrücken, Erlebnissen und Ideen. Ich bin schon sehr neugierig, was aus all dem im neuen Jahr wird.
Mein Sylvesterfest habe ich mit “Hans-Peter” und meinem kleinen iPod-shuffle verbracht. Es war eine Nacht der Überraschungen.
Nachdem ich mich gefragt habe, wie möchte ich in diesem Jahr den Jahreswechsel verleben, die Menschen, mit denen ich gerne gefeiert hätte, alle unterwegs waren und ich keine richtige Antwort auf meine Frage bekommen habe, habe ich es einfach auf mich zu kommen lassen.
Am Sylvestermorgen viel mir per Zufall das Hörbuch von Hape Kerkling “Ich bin dann mal weg” in die Hände. Eigentlich war ich unterwegs, um mir den iPod-Shuffle zu kaufen. Dieser Impuls war ziemlich deutlich, das kleine Ding möchte ich haben. Da der Apple-store noch nicht geöffnet hatte, bin ich noch ein wenig durch die Geschäfte gebummelt. Auf diesem Weg fiel mir das Hörbuch von Hape in die Hände. Dieses Buch wollte ich schon lange lesen, lieber aber noch wollte ich Hans-Peter persönlich erzählen hören. Die Sylvesternacht fand ich sehr passend für diesen Hörerlebnis. Dann habe ich noch schnell den iPod gekauft und ab nach Hause. Ich konnte es kaum erwarten alle meine iTunes-Inhalte, die ich in den letzten Jahren importiert oder gekauft habe, zu koopieren. Da ich 2Giga Speicherplatz hatte, paßten meine 435 Stück locker auf das kleine Ding.
Die Daten waren geladen und die erste CD von sechs lag startklar im Player. Mein Sylvester begann bereits um 15 Uhr. Ich tauchte ein und ging in der Vorstellung – da wußte ich noch nicht, dass es sich im Laufe der Nacht ändern sollte – mit Hans-Peter den Camino. Die Tiefe und Leichtigkeit seiner Worte haben mich getragen, Berg rauf, Berg runter. Ich habe unzählige Bars kennengelernt,maßenweise Boccadillos gegessen und Cafe con Leche getrunken. Zwischendurch habe ich mich immer wieder laut lachen hören. Die genußvollen Begegnungen, die er auf dem Weg immer wieder hatte, dass mit jeden Meter wachsende Vertrauen, die vielen Fragen, die er sich gestellt hat und die innere Sicherheit, dass er auf jeden Fall ankommen wird, hat mir meinen Sylvesterabend bis 23 Uhr verzaubert.

Kaum hatte Hape das letzte Wort gesprochen, stand ich wie von unsichtbaren Händen geführt auf, zog mich warm an und ging mit meinem Hörstöpeln im Ohr und meiner mit 435 Stücken geladenen iPod shuffle auf Wanderschaft. Ich lief ins neue Jahr. Zu hören bekam ich eine Überaschung nach der anderen. Um 00 Uhr stand ich bereits mit offenen Mund auf einem freien Feld. Das ist wirklich meine Sammlung, hörte ich mich innerlich sagen. Schlager aus den letzten 60zig Jahren, wechselte sich ab, mit Techno, dazwischen Klassik, oder Chöre aus der ganzen Welt. Kommerzielle Musik, genauso wie Avangarde. Ein Stück Lebengeschichte von Rilke und Texte über Hegel und Kant…….Mantras, Pop und Rock aus den letzten 40 Jahren…die deutsche Nationalhymne, 2Ton-Musik, Trommeln aus Afrika und Japan……
Damit hatte ich nicht gerechnet. Mir selbst in dieser Form zu begegnen hatte ich nicht überdacht. Welch eine Überraschung- welch ein Jahreswechsel.3 Stunden bin ich durch die Nacht maschiert, meinen ganz persönlichen musikalischen Pilgerpfad.
Danke Hape für die Inspiration, danke der Technik und ihren Möglichkeiten und danke an alle die, die in den letzten Monaten persönlich auf mich zu gekommen sind und gesagt haben, dass sie meine Beiträge im Blog gerne lesen. Eure Wertschätzung hat unter anderem dazu beigetragen, dass ich die letzten 2 Artikel geschrieben habe.
Ich wünsche allen ein Jahr voller Überraschungen, möglichst wenig Krisenstimmung und das ihr die kleinen Freuden zwischendurch nicht vernachlässigt.
Inga Oltersdorf
7. Januar 2009
Es ist so schön diesen Artikel zu lesen. Ich sehe es richtig vor Augen, wie du in der Sylvesternacht mit deinen Stöpseln im Ohr durch die Natur läufst… Es macht mich neugierig auf meine bunte Musikmischung, wenn ich mir mal die Zeit nehme und auch eine solche Reise durch meine Vielfalt an Musikgeschmäckern reise.
Meine Mutter hat das Buch “Ich bin dann mal weg “gelesen. Ich erinnere mich, wie sie mir unbedingt Textpassaen vorlesen wollte, und wie sie gelacht hat. Sie hat das Buch nur so verschlungen hat.
Ruben
1. Februar 2009
Das hört sich für mich eher nach einem sehr traurigen Silvester an. Ich weiß auch nicht, aber sollte man da nicht was anderes machen? Ich finde, dass man da sehr viele Leute einladen muss und auch eine große Party feiern sollte. Man hat doch eignetlich Freunde und auch Familie und dann gibt es ein großes Essen und dann wird viel gefeiert. Das würde mir Spaß machen an Silvester. Warum haben Sie denn ihr Silvester so verbracht wenn ich fragen darf?
Birgit-Rita Reifferscheidt
2. Februar 2009
@ Ruben
Nicht das es mir nicht gefällt mit vielen Menschen Sylvester zu feiern, in diesem Jahr war mein Bedürfnis ganz mit mir zu sein und den Übergang sehr bewußt zu erleben. Das war alles andere als traurig. Ich habe es gewählt und war mit mir sehr glücklich. Ich habe schon die unterschiedlichsten Sylvesterfester in meinem Leben erlebt – und jedes hatte etwas eigenes. Wie ich dieses Jahr feiern werde – ich lass mich überraschen.