Konstruktiver Umgang mit Fehlern

Vorgestern – 19.30 Uhr – ich schaue Nachrichten im Zweiten.

Ich traue meinen Ohren nicht, Ärzte berichten öffentlich über ihre Fehler, die sie im Laufe ihrer Berufspraxis gemacht haben. 17 Ärzte und Krankenschwestern haben sich zusammen getan und ihre Fehler in einer Broschüre dokumentiert. Ihr Anliegen: die Möglichkeit zu schaffen, aus Fehler zu lernen und damit die Qualität und Sicherheit im Gesundheitsweaen zu verbessern.
Zum Beispiel die Pharmaindustrie – manche Medikamente sind sehr ähnlich verpackt und beschriftet. Im Klinikalltag muss es oft schnell gehen, da wäre deutliche Kennzeichnung eine große Hilfe. Dazu kommen die vielen Überstunden, die das Krankenhauspersonal aus Kostengründen leisten müssen. Viele Fehler wären bestimmt vermeidbar, hätten Ärzte mehr Zeit, mit den Patienten zu sprechen, Fragen zu stellen und vor allen Dingen zuzuhören. Außerdem geschehen deutlich weniger Fehler, wenn ich Dinge in Ruhe zu Ende bringen kann und genug Zeit habe mich mit Kollegen auszutauschen. Ganz zu schweigen von den vielen Kollegen, die aus den gemachten Fehlern anderer lernen können. Dann muss vielleicht ein Fehler nicht so oft wiederholt werden.

Es ist oft fatal, wenn Ärzte Fehler machen. Menschen können Zeit ihres Lebens mit den Folgen zu tun haben. Heilungsprozesse können sich extrem verzögern – was wieder neue Kosten verursacht, oder der schlimmste Fall, Menschen müssen ihr Leben lassen.

Ich finde es sehr mutig, sich öffentlich zu seinen Fehler zu bekennen. Gerade für die Ärzte ist es nicht leicht, wo sie doch gerne zu weißen Göttern gemacht werden. Jetzt ist ein Anfang gemacht.

Scheinbar wird mein Traum von einer Fehlerkultur in Deutschland doch noch wahr. Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt.

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