Tibet 6: Jenseits der Schuld

Überall wo wir Westeuropäer – und wohl vor allem wir Deutschen hinkommen – bringen wir unsere Schuldgefühle mit. Sie verhindern, dass ich mich mit meinem Wert ganz in die Welt stelle und selbstbewusst über meine Fähigkeiten spreche… Sie lehren mich aber auch Mitgefühl und Kooperation und einen verantwortlichen Umgang mit Fehlern…

Im Buddhismus kennen Menschen diese Schuldgefühle unserer Art nicht. Es gibt keine Sünde, keine Buße und keine Moral. Folgt man dieser Religion, so erlebt man – konsequent und natürlich – ganz einfach die Folgen seiner Handlungen und Unterlassungen.

Schuldgefühle bewirkt, dass wir die Zumutungen des Lebens als Strafe verstehen – und nicht als Geschenk… Wo Schuld ist, kann Selbstwert und Dankbarkeit nicht wachsen… Ohne Dankbarkeit können wir aber unsere eigenen Erfahrungen nicht verantworten… nicht loslassen… nicht verändern.

Unsere Schuldgefühle haben ihre Wurzeln in der deutschen Zeit-Geschichte. – Sie dienen der Vorbereitung für eine gemeinsame europäische Zukunft.

Im Himalaja ist es einfach: Jedes Verhalten hat Folgen. Wenn wir sie als Konsequenzen unseres Handelns erkennen – erleben wir sie. Wenn wir sie als Ungerechtigkeit verstehen und nicht als Wirkung unseres früheren Verhaltens – müssen wir sie erleiden…

3 Kommentare

  1. Barbara Büchner

    25. Juli 2007

    Im letzten Monat haben wir in Japan unseren Sohn besucht, der noch weitere 3 Jahre in Tokyo leben wird. Von ihm habe ich erfahren, dass Japaner keine Schuld kennen, als ich die Beteiligung im 3. Weltkrieg hinterfragt habe. Der Kaiser und der verantwortliche Militärchef werden heute noch verehrt und auch Hitler ist dort nicht unbedingt ein Unmensch. Japaner fühlen sich nicht schuldig – Japaner schämen sich. Ich habe versucht zu verstehen und zu begreifen, konnte aber den Unterschied nicht wirklich fühlen.

    Dass ich in meiner Schuld nicht alleine stehe, sondern dass wir Deutsche so auch einen wichtigen Betrag und eine gute Vorbereitung für ein vereintes Europa leisten, lässt mich freundlich darauf schauen. So hat alles einen Sinn.

    Deine Worte erfüllen mich mit Dankbarkeit für meine Schuldgefühle. Sie haben mich ohne bewusstes weiteres Zutun den Umgang mit Fehlern gelehrt, den Weg geebnet für vielfältige Beziehungen und Kooperationen und waren eine gute Vorbereitung für gelebtes Mitgefühl,

    Bisher hatte ich die Größe dieser Qualitäten nicht mit der Größe der Schuld in Verbindung gebracht. Danke Christiane!

  2. Martina Kage

    31. Juli 2007

    Als ich das las vor einigen Tage, hatte ich plötzlich meine Aufmerksamkeit auf diesen Schulgeschichten. Da ich ja im Kindergarten Arbeite hatte ich das beste Aufmerksamkeitsfeld. Mir fällt auf das Mütter oft etwas mit Schuld zu ihren Kindern sagen: du bist Schuld das……, du bist Schuld wenn……..,
    du bist Schuld wenn du jetzt nicht gleich kommst, das wir zu spät kommen, du bist Schuld, wenn du dein Frühstück nicht aufisst das es heute Regnet, du bist Schuld das die Menschen keine Arbeit haben, weil du auf dem Dach sitzt ( ein Kind saß auf einem kleinen Spielhäuschen).
    Deine Sichtweise lädt mich ein, mal genauer die Deutsche Geschichte zu lesen. Ich merke das ich Interessierte bin an der Deutschen Geschichte.

  3. Martina Kage

    1. August 2007

    Das Leben liebt mich,

    Gerald zeigte mir gestern beim schlendern durch die Stadt ein Buchladen, ein Buchladen mit Restbeständen. Super genialer Laden, den es seit 3 Jahren gibt und mir nie aufgefallen war. Wir gingen rein, ich stand da und schaute mir ein Buch an, Gerald kam und zeigte mir ein Buch „Deutschland im Krieg und seine Folgen“. Ist das nicht der Hammer?
    Normalerweise sage ich immer: „das es mich nicht interessiert was damals war“. Ich habe nie seine Interessen in dieser Hinsicht mit ihm geteilt, habe ihn darin abgelehnt. Doch seit ich gelesen habe was du geschrieben hast, bin ich neugieriger geworden und vor allem es aus einer anderen Sichtweise heraus mal zu betrachten. Es war möglich mein Herz zu öffnen für die Deutsche Geschichte, durch deine Art des Übersetzens. Es gibt ja Unmengen an Informationen. Wir haben jetzt eine Möglichkeit gefunden – seine und meine Interessen zu Kombinieren. Das schöne ist – Gerald liest keine Bücher – nie. So standen wir in einem Bücherladen, Gerald und ich.
    Wir haben einen Schatz gefunden……………..eine Gemeinsamkeit. Wir sind ein schönes Paar.

    Danke

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