Tibet 2: Wir brauchen einen Fährmann

Trotz umfassender Vorbereitung war dann natürlich alles anders als ich es befürchtet habe. Das Leben findet nun mal außerhalb unserer Vorstellung statt… So waren meine Ängste vor allem im Vorfeld real – sie dienten der gründlichen Vorbereitung.

Dennoch war meine Reise nach Tibet eine Reise ins Neuland. Dazu hatte ich mir Wulf als Fährmann gewählt.

Auf der Grundlage meinen eigenen Erfahrungen, wäre meine Pilgerreise wohl lebensgefährlich verlaufen… Ich kannte die Höhenkrankheit nicht… Ich hätte meine Erfahrungen aus dem Flussland (Düsseldorf liegt 50 Höhenmeter über NN) auf die Welt in der Höhe übertragen… Ich hätte mich mit meinen Ansprüchen in Lebensgefahr gebracht… Ich hätte dort geruht und geschlafen, wo es existenziell notwendig ist, in Bewegung zu bleiben… Ich hätte meinen Körper maßlos überfordert, weil wir Flussländer den gesunden Rhythmuswechsel des Körpers nicht mehr kennen…

Wir machen im Neuland immer Fehler: Wir übertragen altbekannte Vorstellungen auf ungewohnte Situation. Da unsere Sichtweisen wie Wahrnehmungsfilter wirken – können wir nicht mehr erkennen, dass das Leben uns gerade neue Möglichkeiten schenkt. Stattdessen reproduzieren wir mitten im Neuen das Alte – und machen damit wieder einmal die gleichen Erfahrungen.

Wulf konnte ich vorbehaltlos vertrauen, weil ich wusste, dass er um seine eigenen Grenzen weiß. Er hat mit Dawa von Asian Trekking für einen zusätzlichen Fährmann gesorgt. Wulf und Dawa waren eine bemerkenswerte Kombination: Der eine kannte sich aus mit den Eigenarten der Europäer, der andere war vertraut mit den Eigenarten der Nepalesen, Tibeter und Chinesen. Wir haben ihnen von Tag zu Tag mehr vertraut, weil jeder von ihnen seine Verantwortung ganz genommen und geteilt haben.

Im Neuland brauchen wir immer einen Fährmann – jemand, der sich dort auskennt, wo wir noch nicht waren. Nur wer sich führen lassen kann, kann etwas Neues erleben.

24 Kommentare

  1. Inga Oltersdorf

    21. Juli 2007

    Ich sauge es regelrecht auf, was du schreibst… Wow, ich kriege solche Lust auf ein Abenteuer, auf Neues und Anderes.
    Es ist spannend was du schreibst, hoffentlich ist schnell morgen ,dann geht deine Geschichte deiner Erfahrungen schnell weiter.
    Ich bin mir sicher, dass ich deine Tipps und Erfahrungen in der Praxis irgendwann sehr zu schätzen weiss.

  2. Michael

    21. Juli 2007

    [Im Neuland brauchen wir immer einen Fährmann…]

    Christopher Columbus, James Cook, Neil Armstrong haben auch Neuland betreten, ohne Führung. Der Fährmann grenzt mögliche Risken ein, gibt ein Stück Sicherheit in einer unvertrauten Atmosphäre. Der Fährmann zeigt das Neuland immer aus dem Blickwinkel seiner eigenen Erfahrungen.

    [Nur wer sich führen lassen kann,…]

    Machmal braucht´s den Fährmann, stimmt. Aber ohne Motivation geht rein gar nix.

  3. Christine

    21. Juli 2007

    Wenn es keinen Fährmann mehr gibt, muß es auch ohne gehen. Dann geht es nur noch im Vertrauen, daß Leben sich selber durchsetzt und das wir geführt und geborgen sind.

  4. Christiane Windhausen

    22. Juli 2007

    @ Michael
    In den letzten 10 Jahren warst du für ich ein hartnäckiger Fährmann in der Welt der Netz-Kommunikation. Du hast mich immer wieder aufgefordert dorthin zu gehen, wo ich nicht zu Hause bin. Ohne dich hätte in mir Motivation gar nicht wachsen können. Ohne dich hätte ich die Andersartigkeit des Netzes einfach nur als Fremdheit interpretiert und mich nicht verbunden…

    Ich glaube nicht, dass wir an einem Fährmann oder einer Fährfrau vorbeikommen… Ich bin mir sehr dankbar dafür, dass ich dich als Fährmann gewählt habe.

  5. Christiane Windhausen

    22. Juli 2007

    @ Christine
    Es gibt immer eine Fährfrau oder einem Fährmann… Manchmal erkennen wir sie allerdings nicht – weil ihre Wahrheiten für uns unangenehm sind…

    Und natürlich geht es auch ohne sie. Schließlich haben wir unser alten Ich-kann-es-ohne-sie-Schwüre, die uns die notwendige Kraft geben, um uns zu beweisen, dass wir es auch ohne sie schaffen…

    Irgendwann muß jeder sich der Frage stellen, ob wir auch dort noch vertrauen, wo uns unangenehme Wahrheiten zugemutet werden.

  6. Michael

    22. Juli 2007

    Ich bestreite weder die Notwenigkeit sich führen lassen zu können, noch den Nutzen eines Fährmanns. Ich komme aber mit Ausschliesslichkeit, mit »immer« und »nur« nicht klar. Aus deiner Sicht bzw in dieser Situation mag das stimmen. Auch ich habe diese Erfahrung schon gemacht, genauso aber auch die Erfahrung, dass man Neueses auch ohne fremde Hilfe entdecken kann.

  7. Christiane Windhausen

    22. Juli 2007

    @ Michael
    Ich bleibe dabei: Wir brauchen zu jeder Zeit in unserem Leben einen Fährmann. Allerdings gibt es meiner Erfahrung nach nur wenige, die ihren Fähr-Menschen in Dankbarkeit verbunden sind…

    Angefangen mit dem Beginn unseres Lebens: ohne unsere Eltern sind wir – was unsere eigene Richtung betrifft – verloren… In den 20ger Jahren unseres Lebens: ohne die Reibung an Fähr-Menschen würden wir – mit unserem bemühen um Abgrenzung – keine Richtung finden… Ab 40: Ohne die Stimmen von Fähr-Menschen würden wir – aufgrund unserer Schwüre + Entscheidungen – immer wieder das Alte wiederholen und könnten nicht in unser Eigenes kommen.

    Ein Fähr-Mensch gibt mir die Kraft – trotz alter Erfahrungen – eine neue Sichtweise zu wählen.

  8. Christine

    22. Juli 2007

    @Christiane, hilf mir bitte einen Weg zu finden, wenn Türen geschlossen sind. Ich will keinen Schwüren folgen und keinen unangenehmen Wahrheiten ausweichen. Ich will auch nichts im Alleingang machen. Ich brauche Kontakt, Orientierung, Inspiration.

  9. Martina Kage

    22. Juli 2007

    Ein Gefühl zog mich heute noch mal auf die Seite. Ich lass immer wieder diesen Dialog, merkte wie ich dich innerlich verteidigte Christiane. Doch klar war mir auch, der andere hat auch seine Wahrheit, seine Erfahrung. Ich fragte Gerald ob ich ihm etwas vor lesen darf und wie es auf ihn wirkte,er musste die Augen schließen um nicht zu erkennen wer geschrieben hat. Er sagte: das man mit einem Fährmann/Fährfrau leichter durchs Leben gehen kann, weil er/sie dich vor Fehler beschützen kann.
    Dann las ich ihm Michaels vor und fragte ihn wie wirkt das auf dich er sagte:
    Abenteuerlich, das man es wagt ohne Fährmann/Fährfrau.
    He hab ich nicht ein super geilen Mann.
    Ich war so gespannt was er sagen wird, es übertraf alles.
    Für mich war wichtig zu lernen, jede Seite zu verstehen und nicht zu verurteilen, so wie ich es immer gemacht habe.
    Da bist du für mich eine Fährfrau Christiane.
    @Christine
    ich bin beeindruckt wo es dich hingeführt hat.

  10. Birgit-Rita Reifferscheidt

    22. Juli 2007

    @Christiane @Michael
    Ein Fährmensch schenkt uns die Möglichkeit in Beziehung zu neuen Ufern zu reisen. Das Geschenk ist für mich das Urvertrauen und die Mitmenschlichkeit.
    Ein Pfadfinder schenkt uns die Möglickeit neue Wege zu finden, Wege dir vor uns noch niemand gegangen ist. Das Geschenk ist für mich der Mut und das Selbstvertrauen.

  11. Michael

    22. Juli 2007

    Was du beschreibst sind für mich Leitbilder, und das ist auch inspirierend wenn man die hat, ganz gleich in welchen Lebensphasen.

    Glücklicherweise darf ich für Felix gerad eins sein. Ich versuche ihm ein tiefes und gesundes Gefühl für das Wesentliche mit auf seine Reise ins Leben mitgeben zu können. Aber für die Entdeckung seiner Existenz und deren Möglichkeiten braucht er mich nicht. Er probiert alles aus, täglich überschreitet er alte Grenzen und entdeckt Neue.

    Und ich hoffe inständig dass er sich mit kompetenter Autorität leichter tut als sein alter Herr. Aber genauso hoffe ich, ihm die Motivation mitzugeben, Dinge zu wagen die noch keiner gewagt hat und den Mut das Leben auf seine Eigene Weise anzugehen auch wenn der Wind von vorn bläst und alle meinen: Das geht nicht.

  12. Michael

    23. Juli 2007

    @Rita
    Schön formuliert!

    @Christiane
    Ich komm grad drauf das ich mich an der Subjektivität aufhänge. Wenn in deinem letzten Absatz »ich« statt »wir« stehen würde, wärs nicht so dogmatisch. Das hast du nun davon, dass du gesagt ich soll mich mehr mit Sprache auseinandersetzen :-)

    Der Erbsenzähler

  13. Christiane Windhausen

    24. Juli 2007

    @ Christine
    Ich bin irritiert:
    Für eine professionellen Coaching-Anfrage ist ein Blog nicht geeignet – dazu greift man zum Telefon. Auch für ein Beziehungsanliegen ist ein Blog nicht geeignet – dafür sucht man einen Freund persönlich auf…

    Im Blog oder in seinen Kommentaren möchte ich etwas über den Mehrwert erfahren, den deine persönlichen Erfahrungen für andere haben…

    Für alles andere gibt es anderen Ort…

  14. kurt

    24. Juli 2007

    …der Fährmann – ein sehr schönes Bild.

    In Dithmarschen gibt es eine KZ-Gedenkstätte mitten im Wald. Ein großes offenes baumhohes Viereck steht da, in Höhe der Baumgipfel schwebt ein Kahn durch das Viereck. Ein Mensch liegt darin und eine Gestalt, die den Tod darstellt, steuert das Ruder.

    In meiner Gegend haben vor zweihundert Jahren Wasserwege die entscheidene Rolle im Fortkommen bestimmt, Landwege waren schlammig und für schwere Lasten auf Pferdekarren ungeeignet.

    Der Fährmann steht da in einer besonderen Tradition. Es gibt heute an der Fähre Wischhafen-Glückstadt eine Bronzestatue, die den Fährmann auf der anderen Seite des Flusses zu sich ruft.

    Segelschiffe auf der Elbe, mit denen der Fährmann sich bewegte, hatten Bootskörper ohne feststehenden Kiel, damit sie im flachen Wasser nicht auf Grund liefen – war das Schiff im tiefen Wasser, ließ man einen flexiblen Kiel an der Seite des Bootes herunter.

    Die Fähigkeit, sich dem Fährmann und seinem Bootskörper anzuvertrauen, ist im Leben bestimmt mal etwas mehr und mal etwas weniger vorhanden.

    Wovon mag das Vorhandensein dieser Fähigkeit abhängig sein…

  15. Martin Wilhelm

    24. Juli 2007

    Ich habe mit viel Freude die Diskussionen (Kommentare) über den Fährmann/frau gelesen.
    Für mich sind Fährmänner/frauen sehr wichtig, sie haben mir in meinem Leben schon sehr weit geholfen. Ich bin dankbar dafür, das es sie gibt und ich danke mir, wenn ich sie als solche erkenne.

  16. Christine

    24. Juli 2007

    @Christiane,
    Danke für das Zurecht-rücken und die Klarheit!

  17. Martina Kage

    31. Juli 2007

    Ich sehe vor 2 Tagen eine Reportage über den Kilimandscharo. Ich schaue natürlich jetzt viel intensiver hin. Eine Gruppe von Menschen wollen mit einer Reiseleitung nach oben. Kurz vor dem Ziel, ein Ehepaar will nicht weiter obwohl das Ziel greifbar nahe ist. Einer der Reiseleitung kommt und spricht ermutigte Worte für den Mann der nicht mehr kann (Denkt er), die Frau sagt zur Reiseleitung: lassen Sie mein Mann,er kann nicht mehr. Nach kurzem hin und her gibt die Reiseleitung der Frau auf Herzliche aber bestimmte weiße zu verstehen: Halt dich jetzt mal raus – und höre auf dein Mann zu bestimmen. Man sitzt vorm Fernseher, spannender als ein Krimi, wird er gehen so kurz vom Ziel?. Man kann fühlen das die Frau sehr besorgt ist um ihren Mann und auch für ihn mit aufgeben würde. (Das ist Liebe) Doch die Reiseleitung, so sagt ein Sprecher, kann genau abschätzen ob hier jemand in Gefahr ist oder ob hier jemanden einfach nur seinen Mut verlässt.
    Das Ehepaar ist gemeinsam am Ziel angekommen – überglücklich – Dank eines Fährmann`s

  18. Walter Holzer

    4. September 2007

    Liebe Christiane! Lieber Michael!

    Sehr spät, aber mit steigendem Interesse habe ich eure Diskussion über den „Fährmann“ aufgenommen. Es sind dabei so viele Gedanken angeklungen, dass es für einen Kommentar fast zu umfangreich ist darauf einzugehen

    Du, liebe Christiane stehst dafür, dass wir immer einen Fährmann brauchen. Wenn du die grammatische Umhüllung weglässt, dann kannst du auch Gott sagen, denn deiner Ansicht nach sollten wir ja alle „geführt“ werden. Denn weil wir aus unseren Konventionen heraus geneigt sind immer die gleichen Fehler zu begehen, muss doch einer da sein, der uns sagt wie und wo der Weg geht, weil“ er (oder sie)“ es schon weiß.
    Ich hingegen glaube an die intuitive Kraft, die in uns Menschen steckt, wenn du willst an das „faustische“ Drängen in uns, ständig nach Neuem zu suchen und es auch zu finden. Wie sonst wäre der homo erectus von Ostafrika in das Europa der Eiszeit gelangt, wie hätte der homo sapiens jene Entwicklungsstufe erreicht, die ihn aus den Höhlen herausgeführt hat. Diese kleinen Wandergruppen, die als Pioniere in eine vollkommen fremde Welt gingen, hatten alle keinen Fährmann. Sie fanden eine neue Welt mit der Kraft ihrer Herzen, mit dem unbeugsamen Willen zu überleben.
    Und wenn ich mein eigenes Leben Revue passieren lasse: Ja, Ich bin oft zu neuen Chancen, zu neuen Aufgaben, ja zu neuen Berufen HIN geführt worden. Aber wenn ich dann dran war, war ich allein und mein Ratgeber hat zwar aus SEINER Erfahrung geraten, aber meine Situation war grundsätzlich und fast immer ANDERS. Also hing es von meinem Willen, von meinem bisschen Grips und wenn ihr wollt auch von meinem Glück ab über den wilden Strom das andere Ufer zu erreichen. Und diese Erfahrung machen Tausene genauso wie ich.
    Daher mit aller Entschiedenheit und mit der ganzen Leidenschaft zu der ich noch fähig bin
    NEIN, Keinen FÄHRMANN!

    Und gab es nicht auch schon einen Rattenfänger?
    Oder einen „Führer“, namens Hitler?
    Nochmals :NEIN

  19. Birgit-Rita Reifferscheidt

    5. September 2007

    @Walter Holzer
    Ich finde es sehr spannend, welche Diskussion dieser Fährmann wachruft.
    Wenn ich lese „NEIN „und das auch noch fett geschrieben, finde ich das genauso unfrei, wie unbedingt immer einen Fährmann haben zu müssen. Es ist nur das Gegenteil. Freiheit bedeutet für mich, ich kann mich führen lassen und ich kann führen. Einmal verlasse ich mich auf die innere Stimme bzw. Erfahrung eines anderen, das andere Mal laß ich mich von meiner eigenen inneren Stimme führen oder führe aus Erfahrung. Wenn wir immer nur uns selbst folgen, dann werden wir vieles nicht kennenlernen. Wenn wir immer nur anderen folgen, lernen wir uns selbst nicht kennen. Ich bin für die Freiheit und die entspringt für mich in der Mitte.

  20. Markus Strobel

    5. September 2007

    @Walter Holzer
    Und es gibt sie doch die Fähr/frauen/männer und ich bin froh darum, daher ein klares JA……
    Ich wurde heute Morgen wach und irgendwann landeten meine Gedanken bei der Diskussion um die Fährmenschen und ich finde in jedem Kommentar nachvollziehbare Sichtweisen.

    Es gibt Situationen da gehen Menschen vor ohne Fährmann um neue Wege zu gehen, begleitet mit einer eigenen Vision, Intuition oder Glauben, das ist gut so und wichtig damit Neues entstehen kann, das entscheidende für mich ist, das immer etwas wohlwollendes dahinter steht.
    Ein Rattenfänger hat rein gar nichts mit einem Fährmensch zu tun…. da finde ich nichts wohlwollendes, sonder es geht immer um Ego ,Macht und andere Todsünden.
    Es ist die Freiheit die Du Birgit-Rita so schön beschrieben hast,
    ich wünsche mir daher „das so wohl als auch“

  21. kurt

    6. September 2007

    …als kleiner Junge bin ich oft mit meinen Eltern und Geschwistern am Sonntag mit der Fähre einfach hin und zurück gefahren – wir haben vom Deck aus die kreischenden Möwen gefüttert und wenn uns eine in die entgegengesetzte Richtung fahrende Fähre begegnete, haben wir den Menschen zugewunken und wir Kinder haben uns wahnsinnig gefreut, wenn die Unbekannten zurück gewunken haben. Gestaunt haben wir bei den riesigen Ozeanriesen, die den Weg der Fähre kreuzten. Der Himmel über der an dieser Stelle 3 km breiten Elbe ist sehr schön. Mein Vater sagte immer die Unter-Elbe hat ein besonderes Mikroklima – es riecht nach Meer, obwohl wir uns schon 50 km landeinwärts befinden. Ich habe die Fähre in meinem Leben unzählige Male benutzt. Im Sommer wie im Winter – bei Tag wie bei Nacht. Ich verbinde viele Erlebnisse damit…

    Ich habe erlebt, wie die Kapitäne unter den schweren Bedingungen von Niedrig- oder Hochwasser und bei Sturm immer sicher an der Brücke anlegten. Wenn ich meine Eltern besucht habe, war die Fahrt mit der Fähre immer der Besuchsbeginn oder das Besuchsende. In Sichtweite des Fähranlegers habe ich meinen Vater gepflegt und meinen Sohn aufwachsen sehen. Vor unserem Haus am Deich nächtigten gerne die Schafe und beim Einschlafen hörten wir das Blöcken der Lämmer. Mit der Fähre hat mein Vater auch seine allerletzte Fahrt angetreten.

    Ich fahre auch heute noch sehr gerne mit der Fähre. Es Ist jedes Mal völlig anders, mal ist das Wasser ganz still oder die Gischt der Wellen kommt über Bord. Die Fährfahrt hat einen Anfang und ein Ende. In der Zeit dazwischen ist das eigene Fortkommen in den Händen des Kapitän´s. Es entsteht ein Gefühl des Vertrauens und der Hingabe…

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  23. Antje Bockeloh

    13. November 2007

    Das ist wirklich eine spannende Diskussion! Ich weiß im Moment nur, das es Situationen gibt, wo ich mir einen Fährmenschen wünsche. Genauso gibt es auch Situationen, wo ich keinen Fährmenschen brauche… vielleicht sogar selber einer bin…

  24. Christiane Windhausen

    14. November 2007

    @ Antja
    wow… Du hast alles gelesen und es hat dich bewegt.
    Ich weiß genau, was du meist: Manchmal ist es eine Innovation, jemanden um Führung zu bitten. Und manchmal besteht das Wagnis darin, meinen eigenen Impulsen unmittelbar zu folgen…

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