Kollision mit dem Airbag

Eigentlich wollte ich zum Getränkemarkt fahren… Plötzlich bremst ein Auto vor mir… Dann erinnere ich mich nur noch daran, dass sich der Abstand zwischen uns unglaublich schnell verringert. Mein Auto hat einen heftigen Zusammenstoß mit einem roten Wagen… und ich habe eine Kollision mit meinem Airbag. Plötzlich ist alles weich und puderig. Ich habe das Gefühl, für einige Augenblicke ganz und gar in einem weißen Universum zu verschwinden. Nichts bewegt sich, nichts tut weh. Die Welt steht still und ist in Puder gehüllt…

Als ich langsam wieder auf der Oststrasse in Düsseldorf lande, fällt mir als erstes auf, dass sich in dem Auto vor mir niemand bewegt. Als der Mann aussteigt, bebt er am ganzen Leib – er hat mich nicht kommen sehen und ist völlig im Schock. Wir stehen sprachlos zitternd voreinander und warten, bis die Welt wieder an ihren gewohnten Platz gefallen ist. Die ganze Strasse ist voller Unterstützer. Jemand ruft die Polizei, ein anderer bringt uns ein Glas Wasser, eine Frau bietet mir ihr Handy an… Die Polizei und der Rettungswagen sind schneller da, als ich wieder bei mir…

Auf dem gemeinsamen Weg ins Krankenhaus sprechen wir – Täter und Opfer. Er ist Kripobeamter – ich habe ihn in seinem Dienstwagen mitten im Dienst erwischt. Er ist 39 und hat zwei Kinder. Er ist – selbst im Schock – herzlich, freundlich und um mich besorgt. Er ist einfach sympathisch… Er scherzt darüber, dass seine Kollegen nun wohl wochenlang Witze darüber machen werden, dass er sich von einer Psychologin hat anfahren lassen…

Leider ist sein Airbag nicht aufgegangen, weil ich von hinten aufgefahren bin… Die Blutergüsse an meinem Arm hat mein Airbag verursacht. Jedes Mal wenn ich sie sehe, bin ich einfach nur dankbar…

Jetzt versuche ich die Adresse meines Opfers zu erfahren. Doch überall treffe ich auf Wände aus Datenschutz. Ich würde mich so gerne noch einmal entschuldigen – und erkundigen, wie es ihm geht… Ich gebe nicht auf.

3 Kommentare

  1. Elke-Maria Rosenbusch

    14. August 2006

    Liebe Christiane,

    was für ein Schreck! Ich halte den Atem an, verschlinge die Worte, um zu erfahren, was war und was ist. Gut, der Airbag hat seine Funktion erfüllt – eine sinnvolle Erfindung. Erleichterung, Du scheinst keine großen Verletzungen zu haben – der Mann von der Kripo hoffentlich auch nicht. Du gehst ganz mit dem, was geschehen ist – eine vertraute Christiane. Aufmerksam, sorgfältig, verantwortlich … authentisch – in allen Situationen, die das Leben schreibt. In diesem Unfallgeschehen erkenne ich die Kongruenz von Lehre und Leben. Das ist „walk as you talk“ – Danke.
    Du wirst den Mann finden – das bisschen Datenschutz hält Deine Entschlossenheit nicht auf …

  2. kage martina

    14. August 2006

    Hallo Christiane,
    Das Wochende war für mich die Höhle jetzt weiss ich warum. Ich dachte ununterbrochen an Unfälle auf der Strasse ,hörte aufmerksam im Radio was passiert,habe Nachts geträumt von Feuer und Unfällen wo klar war es passiert nichts größeres.Doch das Gefühl wurde ich nicht los das ein Unfall passiert ist oder passieren wird. Ich war noch mit Dir verbunden weil mich unser letztes Telefonat noch so beschäftigte.Ich hatte am Wochenende über die Frage nachgedacht: was erlebt Christiane gerade in ihrem Leben ,was erlebe ich gerade in meinem Leben und wo machen wir eine ähnliche erfahrung und wofür.Die Frage entsprang einfach so in mir.Ich ging heute Morgen auf die Sonnosseite um mehr zu erfahren vieleicht hast du wieder geschrieben und dann das, mir fiel sofort der Sunamie ein und wie es mir damals damit ging dich verlieren zu können.Damals war es anderst wie heute, damals hat es mich im ganzen Körper erwicht durchströmt von Liebe zu dir und was du mir bedeutest und was es für die Welt bedeutet hätte deinen Verlust, heute habe ich ein Gefühl der Sicherheit dir kann nichts passieren. Ich glaube jetzt das Menschen die so viel Herz und Mitgefühl haben solche erfahrungen machen müssen, es passiert ihnen nichts außer das ihr Herz und Mitgefühl noch größer werden und man diese Menschen braucht. Uns braucht. Ich schlage mein Buch auf für den heutigen Tag und lese:Du kannst die Wellen nicht anhalten,aber du kannst lernen zu surfen.Du findest diesen Mann, schon allein deshalb weil er dich gesucht hat. Ich Liebe dich von ganzem Herzen
    Martina

  3. Cordula Schott

    14. August 2006

    Liebe Christiane,

    übers Wochenende habe ich mehrmals auf diese Seite geschaut, ob es etwas Neues gibt und eben gerade lese ich die Überschriften und habe erstmal eine Gänsehaut bekommen. Puh – was für ein Schreck! Auch für uns als Leser aus der Ferne. Ich bin sehr dankbar, daß Dir und Deinem „Unfall-Partner“ nichts schlimmeres passiert ist.

    Es ist schon unglaublich, welche Wege Du findest, um Menschlichkeit zu verbreiten bzw. hervorzurufen. Und nun steckst Du Deine Fühler Richtung Notaufnahme aus und ich bin mir sicher, auch dort wird es Dir gelingen, Achtsamkeit für ein bißchen mehr menschliche Wärme und Herzensqualität zu wecken. So wie in all Deinen Begegnungen – egal mit welchen Berufsgruppen. Eine Begegnung mit Dir scheint wie ein lang ersehntes, wertvolles Gegenmittel gegen die noch viel zu oft herrschende Gefühlskälte.

    Ich kann das Gefühl, was Dich in der Notaufnahme eiskalt umgeben hat , sehr gut nachvollziehen, denn auch ich saß vor 5 Monaten nach einem Unfall dort und habe die gleichen, ernüchternden Erfahrungen gemacht.
    Ich bin mir sicher, Deine Begegnung mit der Notaufnahme wird auch dort etwas bewegen. Und Dein Unfall-Partner wird sich gern von Dir finden lassen – was besseres könnte ihm auch nicht passieren.

    Ich umarme Dich
    Cordula

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