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Aus Liebe den Stolz vergessen

Mit der Leidenschaft ist das so eine Sache: in manchen Ländern der Welt wird sie so exzessiv gelebt, dass sie Leiden schafft. In Deutschland leiden wir eher am Gegenteil. Wir halten uns zurück, geben uns nur selten ganz. Wir resignieren statt uns leidenschaftlich einzusetzen.

Unsere emotionale Ausdruckskraft ist eingefroren. Keine Wunder bei unserer Geschichte. Die Emotionalisierung der Gesellschaft durch den Nationalsozialismus hat bei uns Schuld und Scham zurückgelassen – zwei Kräfte, die Spontaneität und Unmittelbarkeit gnadenlos ausbremsen. So sind Gefühle verpönt, intellektuelle Überlegenheit ist immer noch das Ziel der Stunde. Wir sind in den Kopf ausgewandert, weil wir die Ehrlichkeit unserer Gefühle nicht ertragen. Gleichzeitig aber wächst die unbändige Sehnsucht nach Lebendigkeit und sucht sich ihren Weg ins Leben: Drogen, Gewalt an der Schule, Ehe-Kriege, autoaggressiven Krankheiten…

Sind Sie schon einmal aus Liebe – statt aus Hilflosigkeit – wütend geworden? Haben Sie schon einmal leidenschaftlich um eine Freundschaft gekämpft und dabei ihren Stolz einfach vergessen?

Für mich heißt leidenschaftlich lieben: mich ganz geben, mich ganz zumuten, aus Liebe um etwas kämpfen. Sie führt mich – aus dem Wissen um meine eigene Wahrheit und am Stolz vorbei – direkt zu dir. Dort finde ich mich…

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